Huhu, Hulu



Was Youtube versprach, hält Hulu: Ganz legal und in Topp-Qualität kann man auf der US-Plattform die neuesten Folgen beliebter Serien wie 24 und Simpsons oder Filme schauen. Und vor allem ganz leicht finden, ohne sich durch hunderte kläglich verwackelte Privatvideos quälen zu müssen, um am Ende dann doch festzustellen, dass das Gesuchte aus Copyright-Gründen mittlerweile gelöscht wurde.
Hulu.com gehört zu den ganz wenigen Erfolgen, die es in der durch Krise und illegale Downloads extrem gebeutelten Medienindustrie derzeit zu vermelden gibt. Denn anders als Youtube, das Insiderberichten zufolge jährlich Verluste in Höhe von rund 500 Millionen Euro einfährt, macht die im November 2007 gestartete Unterhaltungs-Konkurrenz angeblich bereits Gewinn.
Was natürlich auch daran liegt, dass sich US-Unterhaltungsriesen zusammenschlossen, um Hulu, dessen Name im Chinesischen einerseits einerseits einen Behälter für Kostbarkeiten beeichnet und andererseits “interaktives Recording” bedeutet, zu betreiben. NBC Universal, zu dem unter anderem der TV-Sender NBC und die Universal Filmstudios gehört und Rupert Murdochs News Corp, die den Sender Fox betreibt, nahmen das Private Equity-Unternehmen Providence Equity Partners (Investments u.a.: ProSieben/Sat1) mit ins Boot. Wenn die US-Kartellbehörde zustimmt, wird demnächst der Walt Disney-Konzern ebenfalls Hulu-Anteilseigner werden.
Und mit seinen Angeboten mit dafür sorgen, dass die Plattform bald noch mehr Fans hat. Neun Millionen sind es bisher, die sich von Hulu unterhalten lassen, neben Programm, relativ unaufdringlicher Werbung und übersichtlicher Benutzerführung lockt sie vor allem die hohe technische Qualität. Die Filme im Flash-Format werden in HD angeboten.
Warum es auch für europäische Fernsehsender nicht nur interessant, sondern auch lukrativ sein könnte, mit Hulu zusammenzuarbeiten, zeigt eine Geschichte, die auch in Deutschland Schlagzeilen machte. Beim britischen Pendant zu “Deutschland sucht den Superstar” hatte eine dickliche, unscheinbare Mittfünzigerin Juroren und Publikum mit ihrem Gesang zu Tränen gerührt, und war anschließend zum Medienstar geworden. Susan Boyles moderne Aschenputtel-Story wurde bei Youtube in kürzester Zeit 100 Millionen Mal gesehen, zumeist von Amerikanern. Kapital schlagen konnte der  britische Sender ITV aus der Begeisterung für diesen Clip allerdings nicht, weil man keinerlei Anzeigenvertrag mit der Videopage geschlossen hatte.
Und so ist es auch nur folgerichtig, dass Hulu beinahe täglich Meldung über neue Kooperationsabkommen veröffentlichen kann. Neben der Walt Disney Company, die als neuer Shareholder Staffeln mehrerer Comedy-Serien zur Verfügung stellen wird, konnten Endemol Großbritannien und die Digital Rights Group als Content-Partner gewonnen werden. Außerdem kooperiert man nun auch mit Saavn, dem weltweit größten Distributor für die beliebten indischen Bollywood-Produktionen.
Viele Filme und Serien werden damit zum ersten Mal für das US-Publikum zugänglich sein. Nur für das US-Publikum, um genau zu sein, denn aus lizenzrechtlichen Gründen werden Zugriffe aus dem Ausland von Hulu geblockt.
Abzuwarten, bis Hulu, wie bereits angekündigt, auch in andere Länder expandiert, müssen die internationalen Film- und Serien-Fans jedoch nicht unbedingt. Denn auch im Internet gilt: Keine Regel ohne Ausnahme, und so wurden auf diversen Pages und Blogs rasch Tipps veröffentlicht, wie man auch von deutschen Rechnern aus in den Genuß von neuen Simpsons-Folgen kommen kann. Das Verfahren ist ganz einfach, man muss nur unter hotspotshield.com das für Mac und PC verfügbare Programm Hotspot Shield herunterladen und aktivieren. HS bindet den jeweiligen privaten Rechner in sein VPN, das Virtual Private Network, ein und gaukelt damit Webseiten vor, dass der Nutzer in den USA beheimatet sei.
Mittlerweile wurde jedoch auch Hulu auf den massenhaft verbreiteten heißen Hotspot-Tipp aufmerksam und kündigte Anfang Mai an, ab sofort die IPs sämtlicher Anonymisierungsdienste zu blockieren. Doch ist das wirklich so?
Unsere Tests ergaben allerdings, dass man derzeit noch durchaus gute Chancen hat, mit Hilfe des Hotspot Shields auf Hulu zugreifen zu können – wenn man kein Mac-User ist. Apple-Nutzer, die den VPN-Dienst ausprobierten, sahen auf der Seite lediglich die lapidare Mitteilung, dass sie leider eine Nicht-US-IP benutzen und daher keine Videos anschauen könnten. Zum gleichen Zeitpunkt klickten sich die ebenfalls um Test-Hilfe gebetenen PC-Besitzer bereits fröhlich durch das reichhaltige Hulu-Angebot und bemängelten lediglich, dass die Filme nicht ruckelfrei abgespielt wurden.
Falls aber HS wirklich irgendwann endgültig geblockt wird, muss man trotzdem nicht verzweifeln, denn erfahrungsgemäß sind Computerfreaks immer ziemlich schnell, wenn es ums Austricksen geht. Die entsprechenden neuesten Tipps werden dann sicher auch wieder sofort weltweit veröfentlicht werden.


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1 Comment

  1. Besitzer neuerer Macs können, dann ja auch über Bootcamp/Parallels/VMware/Virtual Box und eine Windows zugreifen.

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