Das Hamburger vs. Berliner-Problem



By: nayrb7 (http://www.flickr.com/people/nayrb7/) Licensed under Creative Commons 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/)

Dass Berliner in Berlin Pfannkuchen heißen und Hamburger nichts mit der Schönen an der Elbe Auen zu tun haben, ist weitgehend bekannt. Auch der Currywurst-Krieg ist bereits ausgefochtene Geschichte. Weniger klar ist allerdings, warum es rund um die Alster einfach keinen vernünftigen Döner nach Berliner Vorbild gibt. Es sei kurz erläutert, weshalb das Hamburger Fleisch im Brot niemals nicht das Niveau von „Hasir“ am Kotti erreicht:

  1. Kommt es in der Hansestadt leider immer noch häufig genug vor, dass das Fladenbrot nicht getoastet, frisch gebacken oder sonstwie erwärmt wird.
  2. Wird die Sauce leider nicht gekonnt im erwärmten Brot verteilt, bevor die restlichen Zutaten hinzu kommen, sondern kalt und lieblos auf den Inhalt drauf geklatscht und
  3. Schließlich wird eine Joghurt-Sauce namens Cacik verwendet, die von vielen Verkäufern und Kunden auch noch allen Ernstes mit ihrem griechischen Namen Zaziki betitelt wird.

Neben der Fleischqualität, die auch in der Hauptstadt durchaus variiert, ist vor allem der letzte Punkt ein steter Quell der Enttäuschung, denn wer einmal einen Berliner Döner, mit der dort üblichen – und Mayonnaise-basierten – Knoblauch-, Kräuter- oder scharfen Sauce probiert hat, weiß, warum der norddeutsche Abklatsch anschließend einfach nicht mehr zu munden vermag.

Rätselhaft bleibt jedoch, warum sich eine derart unterschiedliche Zubereitungs- und Saucen-Kultur in nur 280 Kilometer Luftlinie etablieren konnte. Regionale Unterschiede der Herkunft der Dönerbudenbetreiber? Haben in beiden Städten alle vom gleichen guten (Berlin), bzw. schlechten (Hamburg) Vorbild kopiert? Seit nunmehr 13 Jahren ist der Autor dieser Zeilen jedenfalls auf der Suche nach einem Hamburger Döner, der es mit dem Berliner Vorbild aufnehmen kann – bislang ohne jeden Erfolg. Die Nachfrage bei einigen Verkäufen auf St. Pauli brachte nur missmutiges Schulterzucken ein – klar, wer will sich schon sein Produkt madig machen lassen? Um Aufklärung wird dennoch dringend gebeten!

PS
Ein verwandtes, wenngleich nicht ganz so gravierendes Problem ist die schlichte Tatsache, dass es in jedem indischen Restaurant der Hauptstadt ein ballonartiges, knuspriges, weil frittiertes und extrem leckeres Fladenbrot namens Bathura gibt – und in keinem einzigen mir bekannten indischen Lokal in Hamburg – obwohl Nan, Chapati und Papadam durchaus in beiden Städten auf allen Speisekarten stehen…?!?


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4 Comments

  1. Da muss ich wiedersprechen. In Sachen Döner herrscht Gleichstand zwischen Hamburg und Berlin.
    Man darf eben, wie in Berlin auch, nicht zur Assi-Pennerglück Bude an der Ecke gehen, sondern die wirklich Guten Dönerläden besuchen.
    Den da beispielsweise, der ist unglaublich gut:
    http://hamburg-doener-deluxe.de/2009/01/24/dubara-hamburg/

    Dubara geht ab, was besseres gibt es gar nicht.

  2. Moinsen,

    cool, endlich geht die Debatte ab (hoffentlich)! Ich kenne Dubara, da einer meiner Arbeitgeber seit Jahren in der Jarrestraße weilt. Ich sach es mal so: Ja, für Hamburger Verhältnisse ist das ein guter Döner, aber der Vergleich mit Hasir ist trotzdem a lost race. Ich bin aber schon extrem glücklich, dass noch jemand außer mir das Cacik-Problem erkannt hat. Für besseren Döner an Elbe und Alster!

  3. Ich habe in Berlin und Hamburg schon diverse Döner verspeist. Ich bin froh, dass mir dieser Mayo-Quatsch nicht untergekommen ist. In NRW grassiert diese Unart übrigens auch, die mir übrigens Bauchschmerzen bereitet. Wer Mayonnaise (und ich meine hier diesen Billigquatsch und nicht das hochwertige Produkt welches selbst gemacht und zur Aioli verfeinert mit Brot alleine sehr köstlich ist) in Dönersauce hineinsickern lässt, hat einen Kunden weniger. Im Übrigen finde ich es höchst unartig, dass die überaus leckeren Döner aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland ganz aussen vor gelassen werden. Die Currywürste in dieser Gegend sind übrigens auch nicht zu verachten.

    Es grüßt die
    forschungstorte

  4. Hi,

    ich bin vor kurzen nach hamburg gezogen und bin auch recht enttäuscht was den döner angeht. komme zwar nicht aus berlin, sondern aus dem äußersten nordosten, aber auch da ist der döner sehr gut und ähnlich wie in berlin. liegt sicher auch daran, das berliner unternehmen dort die oberhand haben.
    naja hoffe das ich bald einen einigermaßen ähnlichen döner finde wie in der heimat. bisher hab ich leider noch kein erfolg gehabt.

    sollte jemand einen tipp haben, immer her damit.

    folgendes wäre cool:

    Dönner sollte in einer gut getoasteten Fladenbrotecke(1/4 fladenbrot) präsentiert werden. die soßen sollten gut abgeschmeckt sein (und kein blödes zasiki sondern ordentliche knoblauchsoße). der boden sollte vor soße schon fast durchsuppenn und das fleisch ganz unten mit soße getränkt liegen. dann erst der salat und evtl. noch eine lage fleisch mit soße oben drauf.

    so einen döner würde ich gerne finden.

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