Ein Vogel … ein Browser … es ist Songbird!



songbird_uiSongbird ist nun also in Version 1.2.0 verfügbar. Also höchste Zeit sich den Mediaplayer basierend auf dem Mozilla Framework genauer anzusehen. Was hat er, was iTunes nicht hat? Was hat er nicht, was iTunes hat?

Songbird wirbt mit folgenden Hauptfeatures:

  • Integration des 7digital Music Store
  • Integration von Last.fm
  • Integration von SHOUTcast
  • mashTape Funktion
  • und natürlich Add-ons

Getestet wurde Songbird (englische Version) auf einem Laptop (2.5GHz Core Duo, 4GB Ram) unter Windows Vista(TM).

Nach der Installation, die sehr einfach abläuft, wählt man entweder automatisches Scannen um die Mediathek zu erstellen, oder wählt gezielt Ordner aus und erstellt die Mediathek manuell.

Die Oberfläche wirkt zumindest für iTunes Benutzer sehr vertraut, die Standard Ansicht besteht aus einer rechten Spalte für Mediathek, Radio, Playlisten und der drei-geteilten Inhalts-Ansicht. Wer will, kann die Player Steuerung und die Status Anzeige nach unten verschieben. Die Oberfläche ist durchweg intuitiv zu bedienen. Optisch ist das Default Skin dezenter als iTunes und von den Farb Kontrasten fast ein wenig zu blass. Das ist jedoch kein Problem, wer mit Firefox im Web surft, schaut auch hier unter Tools / Add-ons und erhält die vertraute Ansicht um Add-ons zu deaktivieren, deinstallieren, neue hinzuzufügen, etc.

Aber man soll sich ja nicht von Äusserlichkeiten beeinflussen lassen, schliesslich sind es die inneren Werte die zählen. Also verkneift man sich erstmal das Installieren neuer Skins und stöbert durch die weiteren Add-ons. Für den Anfang gibts “Media Flow” (anderswo bekannt als “Cover Flow”), “iPod Device Support” um den Pod zu füttern und “Details Pane”, ein zusätzliches Infofenster das Meta-Daten (ID Tags) des aktuellen Titels anzeigt, Play Count, Änderungsdatum, und zusätzlich noch Bit Rate, Sample Rate und Channels. Dies mag häufig wirklich nützlich sein, bei den meisten Media Playern muss man hierfür extra in der Titel-Information nachsehen. Wen das nicht interessiert, der stellt sich die Anzeige unten auf die mashTape Anzeige. Welche Daten angezeigt werden, bestimmt der Benutzer im Add-ons Menü. Hier hat man die Auswahl aus Artist Informationen die aus Daten von Last.fm, MusicBrainz und Freebase oder wahlweise Wikipedia Einträgen besteht. Reviews zu den Songs (sofern auffindbar), News, Photos die als Slideshow dargestellt werden und Videos von YouTube.

Hier zeigt sich auch der Browser Aspekt von Songbird. Der Klick auf ein Video öffnet einen neuen Tab mit der YouTube Seite. Im Songbird steckt ein kompletter Browser, das fällt spätestens beim Ansehen der Add-ons auf. Neben den Songbird spezifischen Plugins findet man hier auch den DOM Inspector und JavaScript Debugger – nicht dass man die an dieser Stelle bräuchte. Beim Test als Browser-Ersatz fällt auf dass kein Flash unterstüzt wird, ansonsten ist es ein vollwertiger Browser. Braucht man in einem Media Player einen Web Browser? Nicht unbedingt, allerdings kann es nützlich sein wenn man sich die Add-ons für zum Beispiel den Amazon MP3 Shop, Musicload, diverse MP3 Suchmaschinen oder FireTorrent installiert. Und nebenbei schnell mal gezielt die Band googlen, macht im Songbird dann auch mehr Sinn als im externen Browser.

Ein sehr schönes Feature ist das vorinstallierte “Now Playing” Add-on, eine extra Seitenleiste die das aktuell gewählte Album enthält, und dem Benutzer ermöglicht schnell weitere Titel hinzuzufügen ohne dafür eine extra Playlist erstellen zu müssen. Bei Gefallen lässt sich die dynamisch erstellte Playlist natürlich auch schnell abspeichern. Ansonsten lassen sich Playlisten wie gewohnt händisch erstellen, auch die smart Playlist (Filter-Mechanismen nach diversen Suchkriterien) wird unterstützt.

Oder mal Radio hören. Songbird integriert SHOUTcast direkt, was sicherlich angenehmer ist als per Webbrowser hören zu müssen. Die Auswahl erfolgt nach Genre mit optionalem Textfilter, die Anzeige enthält den Namen, Bit Rate, Kommentar, Anzahl Hörer und die Option Sender als Favoriten zu speichern. Wer einen Last.fm Account hat, gibt die Kontodaten in den Optionen an und hört über Songbird zu.

Und was ist mit Tee beziehungsweise Performance? Songbird fordert schon etwas Arbeitsspeicher. Auf dem (relativ gut ausgestatteten) Testsystem lässt sich jedoch nicht ernsthaft klagen. Im Betrieb (abspielen und Browser Tab) werden rund 150.000K RAM veranschlagt, CPU Auslastung liegt bei durchschnittlich 7%.
Zum Vergleich die Daten auf dem gleichen System von iTunes 8.2: Im Betrieb ca. 50.000k RAM (plus iTunesHelper 4.700k), CPU Auslastung bei durschnittlich 0.2%.
Allen Zahlen zum Trotz sei gesagt dass mir persönlich iTunes teilweise träger vorkommt als die Zahlen behaupten, und beim Starten sind beide Applikation recht zäh.

Media Player Verhalten gut und schön, wichtig ist natürlich auch die Frage wie gut der Singvogel Player befüttert. Das wurde ausprobiert an einem iPod Shuffle. Erkannt wird das Gerät sofort, da er vorher über iTunes befüllt wurde, meldete Songbird erstmal das er mit dem Format nicht umgehen könne, man möge doch bitte den Pod erst in iTunes formatieren. Nun gut, das erledigt man schnell, danach bietet Songbird auch sauber die Option dem Kind einen Namen zu geben und einzustellen ob ein Autosync statt finden soll oder ob man händisch pflegen will. Ich wollte gerne händisch pflegen. Wie in iTunes taucht der benannte Player dann in der linken Sidebar auf. Per Drag&Drop werden die Lieder überspielt. Songbird brauchte während Spielbetrieb für 35 Tracks 2Min, 09Sek, den Fortschritt erkennt man nur an der Animation neben der Geräte-Anzeige. Die Statusanzeige aus iTunes fehlt einem ein bischen. Im Gegentest brauchte iTunes für 35 Tracks 2Min 14Sek, dies mag jedoch der Tatsache geschuldet sein dass auf diesem System mit dem Player mein Vista öfter denkt es müsse sich mit wirren Hinweisdialogen dazwischen schalten wenn der Pod über iTunes befüllt wird. Interessanterweise hat es diese Dialoge im Betrieb mit Songbird nicht für nötig befunden.

Was fehlt? Am Offensichtlichsten fehlt die CD Ripping Funktion, die ist angekündigt als “coming soon”. Ebenso die Video Play-Funktion. Synchronisation mit dem iPhone, iPod Touch und Zune Player ist noch nicht möglich. Die Roadmap der Entwickler kündigt für die Juni Release einige Performance Tweaks an und Verbesserungen für die Mac Version. Natürlich fehlt die Integration des iTunes Stores, jedoch spielt der Songbird sauber alle über den Store bezogenen Titel ab.

Für wen könnte Songbird der neue beste Medienplayer-Freund sein? Für Leute, die ihre Songs bei Amazon, Musicload oder aus anderen Quellen beziehen, die gerne Online Radio hören ohne dafür extra einen Browsertab opfern zu wollen, die wissen dass es auch noch MP3 Player gibt die nicht aus dem Hause Apple oder Microsoft stammen und die ihren Medienplayer customizen und erweitern wollen.

Für wen ist der Songbird eher nichts? Für iPod Besitzer, die auch öfter über den Store Titel kaufen oder für iPhone Benutzer. Bis auf wenig Kleinigkeiten bietet der Songbird nichts was nicht auch iTunes kann, und der Aufwand über iTunes zu kaufen, und diese dann im Songbird zu importieren lohnt nicht wirklich.


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