Ein bisschen Lobo



Oh ja. Es wäre wirklich schön gewesen,wenn an dieser Stelle 2000nochwas Zeichen über Sascha Lobo gestanden hätten, in denen die gesamtgesellschaftliche Relevanz seines Auftritts im neuesten Vodafone-Reklamespot umfassend analysiert und die Wiedersprüche in Leben und Werk des Mannes schonungslos aufgezeigt werden.
Jibbet aber nicht, also Analyse und Kritik des Lobo´schen Werbe-Wirkens. Zum einen, weil der Mann mit seiner Frisur nun schon wirklich gestraft genug ist und zum anderen, weil rund 99 Prozent derjenigen, die sich, in aller Regel in unerheblichen Blogs, über sein Mitwirken in diesem relativ unspektakulären Reklamefilmchen empören, einfach nur sauer sind, weil niemand sie kaufen will – und wir reden hier von Leuten, die echt billig zu haben wären.

Wie geldgierig die Bloggerszene ist, kann man relativ einfach selber überprüfen, indem man sich beispielsweise beim Marketing-Network Trigami akkreditiert und anschließend die eingehenden Angebots-Mails studiert. Angst, dass man eventuell nicht berücksichtigt werden könnte, muss man nicht haben, denn Details wie thematische Ausrichtung oder Schreib/Leseschwächen interessieren die Reklame-Vermittler nicht.

Nach der unkomplizierten Anmeldung kann es auch schon losgehen. „Ihr Blog hat soeben eine neue Advertorial Ausschreibung erhalten“, wird es dann in einer Mail heißen, wobei Advertorial eine wirklich schöne Umschreibung für „als ganz normaler Blogeintrag getarnte Werbung“ ist. Kurz und knapp werden dann die Anforderungen geschildert: „XXX ist ein Kissen für Säuglinge und Kleinkinder, das Müttern und Vätern weltweit das Leben leichter macht. Sie können für diese Kampagne 32.92 EUR (Gegengebot möglich) verdienen, falls Ihre Bewerbung vom Advertiser akzeptiert wird.” Die Lobeshymne auf das Dingens sollte mindestens 350 Wörter umfassen und mindestens ein Link zum Hersteller, bevor das Baby-Kissen-Bejubeln aber wirklich losgehen kann, ist ein Bewerbungsschreiben erfoderlich, “Bitte vergessen Sie nicht, eine schlüssige Begründung für die Bewerbung abzugeben. Die Begründung ist ein wichtiges Entscheidungskriterium für Advertiser.”

Dieser ganze Kram ist allerdings vollkommen vernachlässigenswert, denn natürlich würde man lieber tot umfallen als für einen Hungerlohn Werbung für Dies und Das zu machen. Viel interessanter ist es dagegen, die Angebotsmails zu sammeln und nach ein paar Wochen per Google-Blogsuche zu überprüfen, wer da alles zwischen ganz normalen Einträgen enthusiastische Beiträge – die in Zeitungen übrigens ein ganz klarer Fall von Schleichwerbung wären – über den Krempel verfasst hat. Und wer sich im schlimmsten Fall nur wenige Seiten später darüber empört, dass der dicke Mann mit der fiesen Frisur in einem Reklame-Spot zu sehen ist…

Ach ja, und für alle, die doch noch ein bisschen mehr über Lobo hören wollen, gibt es selbstverständlich noch ein bisschen mehr Lobo:


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