Bernard Becketts Genesis: Mensch vs. Maschine
Nein, nicht Terminator Teil 46. Gut, das klingt dann wenig spektakulär, dieses Grundthema gab es schon in schier unendlichen Variationen. Also versuchen wir es ein wenig reisserischer: A.I. meets I, Robot. Wie klingt das? Und all das ganz ohne Hollywood, ohne CGI, ohne atemberaubende Effekte, aber trotzdem spannend. Genesis ist ein Buch, das sich an den Leser anschleicht. Es beginnt ganz harmlos, rückt dann unauffällig näher, und plötzlich will man es gar nicht mehr loslassen.
Es beginnt mit dem Moment, in dem eine Bewerberin ein vierstündiges Eignungsinterview bei der Akademie beginnt. Ihr Schwerpunkt, und somit ihr Prüfungsfach, ist Geschichte. Im speziellen die Biografie des Adam Forde. Im Lauf der Prüfung erläutert sie den geschichtlichen Hintergrund zu Forde, die Gesellschaftsstruktur seiner Zeit mit ihren Vor- und Nachteilen. Der Leser begleitet die junge Anaximander durch den Stress der Prüfung, die Unsicherheit wie sie auf Fragen reagieren sollte, Nervosität angesichts des Themas. Bis sie endlich bei ihrem Steckenpferd ankommt, Adam Forde selber. Durch ihre Augen lernt man einen jungen Mann kennen, der in einer Welt klarer Strukturen und Regeln aufwächst. Strukturen, die Sicherheit bieten sollen und Regeln, die schützen sollen. Als seine Emotionen ihn jedoch veranlassen, diese Regeln wissentlich zu missachten, wird er zur Strafe zu einer Art Forschungsobjekt.
Sein Laborpartner ist ein Roboter namens Art, das neueste Modell in der K.I. Forschung. In der Interaktion mit Adam soll Art sich weiter entwickeln, weiter lernen. Und hier werden nun uralte Konflikte diskutiert. Was unterscheidet einen denkenden Menschen von einer denkenden Maschine? Was unterscheidet Mensch von Tier? Kann eine von Menschenhand geschaffene künstliche Intelligenz über den Menschen hinauswachsen? Darf der Mensch dies zulassen? Mit wie vielen Einschränkungen darf eine solche Intelligenz erschaffen werden? (Nur so viel sei an der Stelle verraten, Beckett hält sich nicht an Asimovs drei Gesetze) Was ist die Seele des Menschen? Wie definiert man den menschlichen Geist? Durch Fragen der Prüfer muss Anaximander zwangsläufig immer wieder von ihrer Rolle als Historikerin abweichen, und ist gezwungen ihre persönliche Meinung zu dem Geschehen zu äussern.
Und am Ende gibt es Überraschungen für alle.
Mehr darf man über das Buch eigentlich nicht verraten. Das erste Mal unbedingt mit viel Ruhe und Genuss lesen, ein weiteres Mal lesen ist einfach nicht mehr das Selbe.
Bernard Beckett
Das neue Buch Genesis
(ab 15. September 2009)
Script5
ISBN-13: 978-3839001035
176 Seiten
12,90 €
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