Der Einzelhandel in den Zeiten des Internet



Sprich Freund und tritt ein

Sprich Freund und tritt ein

Wir befinden uns im Jahre 27 nach der Erfindung des Internets (also ab TCP/IP, für diejenigen die jetzt empört aufschreien). Der ganze Buch-Einzelhandel ist vom Online-Handel besetzt. Der ganze? Nein! Ein von Unbeugsamen geführter Laden hört beispielsweise nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.

Nun gut, ich übertreibe zugegebenermassen ein wenig.

Über 10 Jahre ist es nun her, dass der Riese Amazon sich zu strecken begann. Damals gab es bei Amazon.de nur Bücher zu kaufen, und man musste schon ausgesprochen experimentell veranlagt sein, um auf die Idee zu kommen, bei buch.de etwas zu bestellen.

Heute muss man sich dagegen schon fast anstrengen, etwas zu finden, was man bei Amazon nicht kaufen kann und auch buch.de verkauft neben Büchern noch Blumen, Schulranzen, DVDs und Spiele für alle Plattformen – aber immerhin keine Schuhe. Während sich diese Online-Ketten im Internet zu Gemischtwarenhändlern entwickelten, konnte man draußen im richtigen Leben dabei zusehen, wie die kleinen Buchläden nach und nach verschwanden. Klar, die grossen Ketten haben überlebt, aber eindeutiger Sieger sind wohl die Online-Händler.

Zu dieser Zeit lernte ich in Würzburg, als ich Kollegen nach der besten Quelle für Bücher aus dem Bereich Sci-Fi und Fantasy fragte, einen Buchladen kennen. “Beim Hermke” hatte die allgemeine Empfehlung gelautet. “Beim Hermke” entpuppte sich als recht kleiner, mit Büchern, Comics, Tabletop-Zubehör und Menschen überfüllter Laden namens Hermke‘s Romanboutique. Und schon war es so ziemlich um mich geschehen. Erholt habe ich mich davon bis heute nicht. Auch die erzwungene Abstinenz aufgrund wechselnder Wohnorte änderte nichts daran, dass ich, als ich wieder nach HermkeTown zog, prompt wieder begann, mich (und mein Geld) dorthin zu bringen. Trotz Amazon.

hermke_spider

Die Gründe dafür sind recht schnell aufgeführt. Einmal wäre da der Service. Wie das persönliche Fach für Leute die z.B. Comicserien abonnieren und nur gelegentlich vorbeikommen, um dieses Fach leerzukaufen. Und die SMS-Nachricht, wenn bestellte Artikel angekommen sind. Außerdem wichtig: Die Tatsache, dass die Leute die dort arbeiten, in der Regel auch wissen, was sie verkaufen. Soll heissen, sie sind fähig, Empfehlungen auszusprechen, haben viele der Bücher auch selber gelesen oder wissen aus zweiter Hand darüber. Last but not least: Die Atmosphäre, es mangelt zwar an riesigen Sitzgelegenheiten und der Laden ist eher klein, aber man wird als (potentieller) Kunde nicht gehetzt, auch wenn man scheinbar nichts kaufen will.

Im Internet ging die Entwicklung derweil weiter: Vor ein bis zwei Jahren wurden E-Books noch verteufelt, heute ist der Kindle von Amazon auch in Deutschland erhältlich (neben den bereits existierenden Konkurrenzprodukten), außerderm haben die Verlagshäuser jetzt einen neuen Feind, Google Booksearch.
Und wie treffen die technischen Veränderungen die Buchhändler? Das Gespräch mit Gerd, einem der Gesellschafter, soll mehr verraten über das Geschäft und die Existenz im Zeitalter des Online-Handels.

Weisst du eigentlich noch, welcher dein erster Comic war, den du mit wirklich viel Begeisterung gelesen hast?
Als Sammelzwerg bin ich voll auf Marvel abgefahren. Meine erste wirklich große Liebe war dann aber Schwermetall. Und damit war die Tür zu europäischen Comics geöffnet. Ich bin einfach begeisterter Anhänger der franko-belgischen Comicszene.
Und das ist es auch. Nicht die Begeisterung für einen einzelnen Comics, sondern der Spirit. Wer einmal auf einer grossen französischen Messe war, oder in Brüssel Zentrum oder, oder, oder… der wird verstehen, was ich meine.

Gerd

Gerd


Erzähl doch zu Beginn ein wenig über die Geschichte des Ladens, die Entstehung, die ursprüngliche Idee dahinter.

Gegründet wurde das Geschäft am 15. Januar 1981. Mein Vater war leidenschaftlicher Sammler, der alle seltenen Sachen im Bereich Sci-Fi und Fantasy besaß, die man sich nur vorstellen kann, vor allem auch im Sektor Hefte. Er hat wohl eine der vollständigsten Sammlungen, die es so gibt. Irgendwann ging das meiner Mutter auf den Senkel: “Mach aus den Bergen mal was Ordentliches.” Mein Vater hat sich dann selbständig gemacht und nach ca. einem Jahr lief der Laden soweit, ein Sammler-Freund von ihm beteiligte sich erst und eröffnete später einen eigenen Laden in Nürnberg. Burn (heute ebenfalls Gesellschafter) kam so ca. zwei Jahre nach Eröffnung als dauerhafte “Aushilfe” dazu.
Ich selber habe dann irgendwann spontan entschieden, dass mich das alles auch interessiert und ich das Geschäft später gerne übernehmen möchte. Gemäss dem Motto “wenn man was macht, macht mans g’scheit” habe ich vorher eine Ausbildung zum Buchhändler gemacht. Die Ausbildung lief teilweise hier in Würzburg in der Bahnhofsbuchhandlung ab, teilweise auch in Nürnberg bei dem Freund meines Vaters, der einen ähnlich spezifischen Laden führte.
Anfang der 90er war ich dann hier dabei, 1996 haben Burn und ich das offiziell übernommen. Wobei wir auch davor hier schon viel gemacht haben, ein wenig Veränderung reingebracht, etwas umstrukturiert, den neueren Zeiten etwas angepasst.
Der Laden setzt sich eigentlich zusammen aus 3 grossen Bereichen, Comics (Import, deutsche), Spiele und Bücher.

Womit macht der Laden momentan am meisten Umsatz?

eine Wand voller Comics

eine Wand voller Comics

Im Moment definitiv mit Comics. Das wandelt sich auch immer wieder mal, es gab auch mal eine Zeit in der es wirklich jeweils ein Drittel für Comics, Spiele und Bücher war, aber das ist lange vorbei. Wenn man die US Sachen mit dazu rechnet, sind ganz klar die Comics weit vorne, was natürlich auch daran liegt dass es noch spezieller ist, dass du da auch gerne mal reinguckst, blätterst und wirklich mal Bilder auf dich wirken lässt.
Bücher sind heutzutage einfacher zu beziehen, und du liest sie ja nicht gross an im Laden. Du redest höchstens mal drüber und kaufst dann, das kannst du dann auch eben mal im Internet bestellen. Dabei will ich das Internet gar nicht so als tolle Alternative stehen lassen, da ich es persönlich eigentlich gar nicht so sehe, aber es ist natürlich superpraktisch. Du siehst dir bei Amazon ein paar Besprechungen an, bestellst und hast es in der Regel am nächsten Tag. Das ist bei Comics schon nochmal anders.

Wie ist es mit der Publikumsentwicklung? Im Vergleich zu früher sieht man hier doch mehr Frauen.
Mangas haben damit angefangen, plötzlich standen kleine Mädels hier drin, die vorher mit Sicherheit einen riesigen Bogen um den Laden gemacht hätten, und eine andere Sache sind die “Frauen Fantasy” Romane. Also die vielen Vampir-Romanzen, im klassischen Fantasy gibt es auch immer mehr “Romancy” oder “Romantasy” oder wie immer man das nennen mag. Die ziehen natürlich Frauen an. Ausserdem glaub ich dass Frauen insgesamt mit Sicherheit nicht weniger lesen als Männer. Aber früher waren halt Fantasy und Comics an sich schon nicht gesellschaftsfähig, geschweige denn ein verruchter kleiner Laden mit ganz komischen Leuten drin, da waren ja teilweise auch ganz schön komische Leute.
Wir haben natürlich auch immer versucht, den Laden ein bisschen lichter, offener und gemütlicher zu machen, und damit auch andere Leute reinzuziehen als nur die Sammler und derartige Nerds. Was übrigens bei denen oft auf erheblichen Widerstand gestossen ist.

gesungen wird hier nicht!

gesungen wird hier nicht!

Mittlerweile ist unser Publikum denke ich wesentlich diverser geworden. Wobei es definitiv natürlich auch so ist, dass der Standard-Mainstream-Käufer mittlerweile in großen Buchhandlungen und sogar Kaufhäusern mit gewaltigen Stapeln versorgt wird. Leser, die dann unseren Laden gefunden haben sind häufig von der Vielfalt und Tiefe unseres Sortimentes vollkommen überrasch … und nicht selten auch begeistert. Solche Kunden bleiben dann natürlich. Deshalb freue ich mich auch, wenn die Mainstream Titel überall herumliegen. Damit wird zwar ein Umsatz gemacht, von dem wir nur träumen können, aber damit wird auch der Grundstock für eine Akzeptanz des Genres gelegt, die kleine Läden, wie der unsere niemals erreichen hätten können. Leider sind solche Kunden natürlich nicht so treu, wie Sammler und Nerds, aber die Mischung machts und selbstverständlich freue ich mich über jeden der kommt und Interesse zeigt. Richtige Sammler wissen in ihrem Gebiet eh oft mehr als ich. Es ist aber immer wieder schön, wenn man jemandem, der ein breiteres Interesse hat all die vielen Schmankerln und Trüffel unseres Ladens zu zeigen.

Wie verlief eure Entwicklung seit Amazon.de und buch.de, also seit ca. 98?
War das echt so spät?
Was sich geändert hat, ist mit Sicherheit das Einkaufsverhalten, auch ein Bewusstsein bei den Leuten, früher waren Kunden definitiv viel offener für Empfehlungen, Gespräche, Gespräche in denen sich Empfehlungen ergeben, als jetzt. Jetzt – nicht nur bei Büchern – sondern fast überall, ist es ja so, dass die Leute heutzutage ziemlich genau wissen was sie wollen, weil sie sich vorher informiert haben. Was ich eigentlich ziemlich bescheuert finde, weil es ja der harte Weg ist. Wenn du die Infos erstmal selber zusammentragen musst, bist du zwar der mündige Kunde und kannst dir nix mehr vormachen lassen, was halt immer die Angst ist, aber du nimmst dir selber die Freude oder die Freiheit einfach auch mal was Neues zu hören.
Ich sehs hier ganz ganz oft, dass die Leute wesentlich weniger Beratung haben wollen als früher, weil sie sich offensichtlich vorab informiert haben. Und dann gezielt etwas kaufen wenns denn da ist, überhaupt nicht nach Alternativen suchen, sondern nur das Produkt das sie im Kopf hatten, kaufen wollen. Und das ist eindeutig eine Veränderung.
Amazon hat ja erstmal lange Jahre nur eine Marktbereinigung durchgeführt, und den Markt stark zerschlagen. Denen war damals ja egal ob sie schwarze Zahlen schreiben, die haben erstmal nur für die Zukunft gebaut und das Ergebnis sieht man jetzt. Wer kann sich so etwas leisten ausser riesigen Firmen?
Man sieht das heute in allen Bereichen, ob es kleine Lebensmittelläden oder Ähnliches ist. Die Dezentralisierung, dass man in jedem Stadtteil mal eben über die Strasse geht, fällt völlig weg. Man muss eigentlich immer zu grossen Läden gehen. Eigentlich ist das in hohem Maß unökologisch, unökonomisch weil man sich fast immer ins Auto setzt und irgendwohin fährt weil man diese kleinen Läden nicht mehr hat.
Man muss sich mal überlegen was Amazon für ein unfassbares Logistikzentrum hat – übrigens personenfrei. Was aber auch im niedergelassenen Buchhandel nicht besser ist, auch Libri hat ein personenfreies Lager. Aber was Amazon für Lagerkosten hat und gleichzeitig portofrei verschickt, das ist einfach nicht richtig. Du kaufst dir hier ein Buch aus den USA, das hier weniger kostet als dort und auch noch lieferkostenfrei ist. Entweder die legen komplett drauf – was ich nicht glaube – oder das Transportmodell ist derart subventioniert, dass sie solche Preise bieten können.

Naja, für mich als Kunde ist das praktisch, wenn ich englisch lesen kann, gebe ich natürlich lieber 6 Euro für das englische Taschenbuch aus, als 9 Euro für das deutsche
.
Gut, das liegt zum Einen daran, dass die amerikanischen Paperbacks wesentlich schlechter gedruckt sind, einen ganz anderen Qualitätsstandard haben weil es wirklich ein Massenprodukt ist, und zum Anderen speziell bei Amazon und Konsorten eben wieder an der nicht nachvollziehbaren Transportkalkulation.
Dadurch dass wir selber ja auch importieren, seh ich ja auch was uns auf dem normalen Weg die Transportkosten und Verzollung und Abwicklung kostet und es *kann* nicht sein dass der Preis den Amazon dafür nimmt, ein kalkulierter Preis ist. Wenn du den Dollar 1:1 umrechnest, kommst du ungefähr auf deine Kosten und die sind ja teilweise deutlich unter dem Dollarpreis.

Was habt ihr seit dem florierenden Internethandel am Ladengeschäft geändert?

viele Bücher

viele Bücher

Fliessende Veränderungen finden natürlich immer statt, die nicht preisgebundenen Sachen haben wir Stück für Stück rausgenommen, da konnten wir einfach nicht mithalten. Z.B. Card Games, seit plötzlich jeder ein Mini Gewerbe angemeldet hatte und zum Einkaufspreis gekauft, und an seine Kumpels verkauft hat, gab es einen gigantischen Preisverfall. Und während die nur das bestellt haben, was sie auch loskriegen konnten, haben wir die normale Vorratslagerung gefahren und spekulativ Neuheiten bestellt. Und alles was sich nicht verkauft hat, war für uns natürlich nur zusätzliche Kosten. So um 95/96 rum, während des grossen Magic Hypes, da hatten wir riesige Umsätze. Aber eben nur Umsätze, die Spanne selber war gar nicht so unglaublich gross.
Früher haben wir auch versucht möglichst viel anzubieten und eine grosse Breite an Produkten bieten zu können, jetzt versuchen wir einfach gezielter einzukaufen was gelegentlich dazu führen kann, dass wir etwas nicht da haben. Aber mittlerweile kriegt man die Sachen ja binnen eines Tages.

Du sagtest vorhin die Kunden wollen kaum noch Beratungsgespräche. Ich persönlich komme deswegen gerne hier her, ist das wirklich so schlecht geworden?

Diese vorhin bereits beschriebene Mentalität der Leute, dass sie schon wissen was sie wollen, was soll ich als Verkäufer dem Kunden dann noch erzählen? grossAusser er lässt sich darauf ein und ich kann zu ihm sagen “ich hab da grad was Geiles gelesen, probiers mal”
Du hast, wenn du mit einem Kunden ein persönliches Gespräch führst, immer die Möglichkeit auf ihn einzugehen und abzutasten, wo seine Interessen liegen, selbst wenn du ihn noch nicht genau kennst.
Selbstverständlich gibt es immer wieder auch Kunden, da kann ich es an nichts fest machen. Warum gefällt ihm dieses Buch, und das nicht? Obwohl ich beide Bücher in die gleiche Ecke stellen würde und beide wirklich cool finde.
Es gibt einige subjektive Empfehlungen, fernab vom Mainstream, bei denen man sich vorneweg schon überlegt, wem man die empfehlen will. Da ist auch ein persönlicher Ansporn dabei herauszufinden, für wen das passen könnte, und man freut sich dann auch wenn man damit mal einen Volltreffer landet.

Aber gerade bei Büchern und Comics ist der Dialog doch wichtig, der Markt ist einfach zu gross um alles selber zu kennen

noch mehr Bücher

noch mehr Bücher

Selbst ich stolper ja immer wieder über Bücher, die ich früher ignoriert habe, im Gespräch mit Kunden. Das ist toll. Der Idealfall wäre für mich eine gleichmässige Kundenfrequenz, dass man für jeden genug Zeit hat, dann entstehen die eigentlichen Gespräche und teilweise mit weiteren Kunden oder einfach die Kunden untereinander.
In manchen Fällen führt so etwas auch zu witzigen oder anstrengenden Situationen: Wir haben hier auch durchaus Kunden die sehr veranlagt sind. Ich missionarischgeh dann auch gleich weg und lass die machen, das ist ok. Stoppen kann ichs dann eh nicht mehr, und im Normalfall sind diese Meinungen ja recht fundiert. Das zu unterbinden wäre sicherlich auch ein komisches Zeichen für die anderen Kunden, und ich hoffe dass der dritte Kunde dann eben mündig genug ist, irgendwann zu sagen “jetzt reichts, halt den Rand”.

Was habt ihr in Sachen Internet Auftritten gemacht?

Wir haben bisher sonst immer nur für Aktionen Seiten gemacht, haben aber lange Zeit den Aufwand gescheut für den Laden eine eigene Seite zu machen. Mit dem Blog jetzt ist das eigentlich eine gute Sache.

Wie stehst du zu E-Books?

Ich bin ja wirklich Technik nicht abgeneigt, aber ein Buch ist ein Buch. Das ersetzt es für mich überhaupt nicht, klar kann man nicht beurteilen wie eine anders herangeführte Generation mit sowas umgeht. Aber kannst du dir vorstellen ein Vater oder eine Mutter liest am Bett ihrem Kind von einem Sony Reader das Märchen vor?
Ein Kind kriegt ja doch so eine Art Beziehung zu dem Buch.
Es gab ja schon mehrfach den Versuch, Technik in klassische Bereiche einzubringen, zum Beispiel Spiele. Alles wieder verloren gegangen. Man müsste dann einen ganz neuen Weg gehen – das ist dann aber nicht mehr klassische Literatur. Ich glaub schon dass sich im Bereich Lesen auf Bildschirmen völlig neue Dinge entwickeln können, aber das klassische Buch wird dadurch nicht abgelöst. Find ich aber auch gut so. Wird ja auch definitiv noch als Kulturgut gesehen, sonst wärs ja auch nicht mehrwertsteuer-reduziert. Ausserdem glaub ich auch dass die Buchlobby dran ist, das auch so zu bewahren. Die haben es ja vor nicht allzu langer Zeit geschafft die Buchpreisbindung gesetzlich durchzudrücken, was vorher nur eine Absprache zwischen verbreitendem und produzierendem Buchhandel war mit Konventionalstrafen, mittlerweile ist es ja gesetzlich verankert.

A propos Buchpreisbindung, deine Meinung dazu?
An dem Tag, an dem ich die ersten fundierten Hinweise auf die baldige Abschaffung der Buchpreisbindung bekomme, schließe ich unseren Laden zu, werf den Schlüssel in den Main und wende mich neuen Ufern zu.
Ich liebe den Laden und bin bereit viele Stunden für wenig Geld zu investieren, aber ich bin nicht wahnsinnig. Ich habe viele Interessen und fühle mich definitiv in der Lage, meinen Lebensunterhalt auch anders zu bestreiten.

Burn

Burn

Wie sind so die Hoffnungen und Erwartungen an die nächsten Jahre?
Hm, ich hoffe dass … “das Internet bricht zusammen!” (Einwurf Burn) … die Leute mal wieder genug haben von ihrem seelenlose Gechatte und wieder mehr miteinander direkt kommunizieren, weil es einfach schöner ist. Und irgendwann wieder eine Weiche in Richtung “localism” gestellt wird – ich bin kein Gegner von Globalisierung – aber ein bisschen mehr Nähe, kleinere regionale Vertriebswege etc. fände ich für mich persönlich schöner und als sinnvolle Entwicklung für den Einzelhandel unabdingbar. Und ich glaube auch wirklich das kommt wieder.

Hoffen wir es. Danke erstmal für deine Zeit. Nenn doch zum Abschluss bitte noch deine derzeit liebsten Empfehlungen im Bereich Sci-Fi und Fantasy.

Bei Sci-Fi ist für mich alles, was Ian Banks geschrieben hat, die Krone des Genres. Mein persönliches Faible für Endzeit wurde vor kurzem mit „Metro 2033“ aus Russland sehr ansprechend befriedigt.
Im Bereich Fantasy steht in meinen Augen Robin Hobb mit ihrer gerade in Neuauflage erscheinenden Trilogie vom Weitseher ganz oben am Firmament. Ganz aktuell sind für mich Peter V Brett und Patrick Rothfuss besonders interessant.
Besonders am Herzen liegt mir die missionarische Verbreitung der Moersschen Zamonienbände. Für alle, die offen sind für tiefgründigen, verspielten Humor mit viel Liebe fürs Detail und für schräge Charaktere, gilt: unbedingt alles lesen. In der Reihenfolge des Erscheinens, um die Entwicklung mitzuerleben.
Zwei Schmankerl zum Schluss: “Gedankenhaie” von Steven Hall und “Das gestohlene Kind” von Keith Donohue.
Für mich der absolute Wahnsinn. Beide völlig außergewöhnlich und nicht für jeden, aber es wird niemanden geben, der eines der beiden Bücher nur mag. Hass oder Liebe, Top oder Flopp. Für mich einfach unglaublich gut.

will use Force for food

Also, die Moral von der Geschichte? Geht mehr aus dem Haus und redet mehr! Auch wenn es Hermke‘s Romanboutique nur in Würzburg gibt, so findet sich doch in vielen Städten das eine oder andere Buchladenjuwel. Geht öfter mal dorthin, redet mit den Mitarbeitern, lasst euch mit Empfehlungen überraschen. Werdet dort Stammkunde und erzieht die Verkäufer dazu, euch die richtigen Sachen zu empfehlen. Der Laden wird sich freuen, ihr habt eine gute Tat vollbracht und es macht wirklich Spass.


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