Die Legende vom Josephpfennig



In der Folge “A Fishful of Dollars” der Fernsehserie Futurama geht Philip J. Fry zu seiner alten Bank und will seine verbliebenen 93 Cent abheben. Zu seinem erstaunen hat sich dieses Geld im Verlauf seines 1000-jährigen Schlafs zu einem Vermögen von 4,3 Mrd. Dollar entwickelt. Eine ähnliche Idee beschreibt der sog. Josephpfennig. Nach dieser Idee hat Joseph bei der Geburt von Jesus einen Pfennig auf ein Konto einbezahlt. Durch die Zinsen und Zinseszinsen wäre der Wert von Josephs Sparbuch in astronomische Höhe gestiegen. Es dient als Modell gegen den Zins und soll belegen, dass das Zinssystem langfristig nicht funktionieren kann und überhaupt unmoralisch ist.

Allerdings gibt es mehr als nur ein Problem mit diesem Modell. Es beginnt damit, dass das Modell die einfache Zinsformel auf 2000 Jahre anwendet. So entsteht der Eindruck einer Kontinuität für diese Zeit, die aber nichts mit der Realität zu tun hat. Dort würde dieser Pfennig heute gar nicht mehr existieren, weil er der einen oder anderen Währungsreform zum Opfer gefallen wäre. So würden die Nachfahren den Pfennig und seine Zinsen vergeblich suchen.

Selbst wenn es die Währung heute noch geben würde, kommt auch der Josephpfennig nicht um die Inflation herum. Sie entsteht vor allem durch wirtschaftliches Wachstum und kann nur minimiert aber nicht komplett vermieden werden. Marktteilnehmer werden, wenn möglich die Preise anheben und andere werden dafür mehr Geld benötigen. Dazu kommen außergewöhnliche, meist politische Ereignisse, die die Inflation in die Höhe schnellen lassen, z.B. die Hyperinflation von 1923 in Deutschland. So wäre es am Ende eine lange Zahl, aber eben nur das. Der Wert wäre wesentlich niedriger.

Doch das ist nur eine Seite dieser Legende. Die andere Seite ist, wie überhaupt dieser Zins entsteht. Hört man den meisten ZinskritikerInnen zu, behaupten sie, dass der Zins aus dem luftleeren Raum stammt. Er sei Einkommen ohne Arbeit, wie es u.a. heißt. Doch dem ist nicht so. Denn die Einlagen der Sparer dient der Bank Kredit an Personen und Unternehmen zu vergeben, während der Sparer darauf verzichtet dieses Geld in diesem Moment für sich zu benutzen.

Kredite sind für alle Unternehmen einer Volkswirtschaft wichtig. Ohne sie könnten sie keine Investitionen tätigen, keine Waren auf den Markt bringen und auch keine Mitarbeiter beschäftigen. Der Josephpfennig hätte im Modell im lauf der Jahrhunderte der Bank ermöglicht vielen Unternehmen  aber auch Privatleuten Geld zu leihen, die damit Waren zu produzieren, Mitarbeiter zu bezahlen, Investitionen zu tätigen, Waren einkaufen, mehr Mitarbeiter zu bezahlen. Würde also ein Zins nicht existieren, würde ein Unternehmer sich kein Geld leihen, keine Investitionen durchführen, keine Mitarbeiter bezahlen und an niemanden ein Produkt verkaufen können. Ein Zusammenbruch der Wirtschaft wäre die Folge.


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