Der Mythos vom Peak-Oil-Mythos



Der aktuelle Ölpreis scheint nur eine Richtung zu kennen, er geht nach oben. Dies tut er regelmäßig, und genauso regelmäßig sinkt er wieder. Die Tendenz nach oben ist klar, doch die Schwankungen sind erheblich. Für die Steigerungen wird meist das Sinken der so genannten natürlichen Produktivität des Öls angeführt. Mit jedem Barrel, welches aus dem Boden gepumpt wird, wird es schwieriger das nächste Barrel zu bekommen. So muss immer mehr Kapital aufgewendet werden, um die gleiche Menge Öl zu fördern. Doch dies erklärt nur den allgemeinen Aufwärtstrend des Ölpreises, die Schwankungen werden meist  durch politische Instabilitäten der Förderländer beschrieben. So seien Krisen im Nahen Osten für die hohen Preise verantwortlich. Als drittes kommt die Nachfrage hinzu, sie steigt ebenfalls Jahr für Jahr. Und dies auch durch die wirtschaftliche Entwicklung in Schwellenländern wie China und Indien. So muss die Ölförderung regelmäßig mit der Nachfrage steigen.

Nur wie lange kann die Ölförderung noch steigen, um den weltweiten Bedarf zu decken? Damit beschäftigt sich die Theorie des so genannten „Peak Oil“, sie beschreibt genau den Punkt an dem eine weitere Steigerung der Förderung nicht mehr möglich ist. Danach, so die Theorie, muss die Förderung sinken. In der Vergangenheit wurde oft über den Zeitpunkt diskutiert, häufig wurde angenommen, dieser Zeitpunkt würde in den nächsten zehn bis 15 Jahren kommen. Doch meist erwiesen sich diese Zeitpunkte als nicht richtig. Technischer Fortschritt und neue Ölfunde zögerten diesen Termin bisher hinaus.

Durch die Tatsache, dass die Vorhersagen über den Zeitpunkt des Peaks, sich bisher alle als falsch herausgestellt haben, leiten einige Menschen den Schluss ab, es gebe überhaupt kein Peak Oil und dies sei nur ein Mythos oder ein Mittel die Ölpreise künstlich nach oben zu treiben. Es gibt unter diesen Kritikern auch jene, die sind nicht einmal mehr davon überzeugt, dass Öl ein endlicher Rohstoff wäre. Diese Theorie des sog. abiotischen Öls baut einerseits darauf auf, dass bis heute nicht eindeutig geklärt ist, wie sich Öl überhaupt gebildet hat. Die Konsensmeinung geht von einer Umwandlung von Pflanzen und Plankton unter großer Hitze und Druck über Millionen von Jahren aus. Die Theorie des abiotischen Öls geht von einer Bildung des Öls aus der Erdkruste selbst aus. Dieser Prozess würde dafür sorgen, dass sich immer wieder neues Öl bildet, allerdings wissen die Vertreter dieser Theorie nicht, wie schnell dieser Prozess ist oder wie er überhaupt funktioniert. Doch wirklich im Widerspruch zur These des Peak Oils steht die Theorie des abiotischen Öls nicht. Es wäre bloß ein Hinweis darauf, wo diese Fördermaximum zu suchen ist, nämlich genau dort, wo auch die Erneuerungsrate des Öls liegt. Wird mehr gefördert, wird es unweigerlich zu engpässen kommen.

Viel häufiger wird gegen die These des Peak Oils der schon erwähnte technische Fortschritt angeführt. Dieser Fortschritt wird meist linear in die Zukunft weitergeschrieben. So gibt es Fortschritte bei der Technik, des es möglich machen, tiefer zu bohren oder auch so genanntes unkonventionelles Öl, wie Ölsand oder Ölschiefer mit aufwendigen Verfahren, wie z.B. mit dem hydraulischen Fracking zu fördern. Auch gibt es immer wieder neue Funde, z.B. in der Arktis, wo bisher das Eis den Zugang zu den Ölfeldern versperrt hat. Nur auch solche Erkenntnisse widersprechen der Peak-Oil-These nicht, sie verschieben das Ereignis bloß in die Zukunft. So ist trotzdem sicher, dass die Ölförderung mit dem Ölbedarf irgendwann nicht mehr mithalten kann, so stellt sich nur noch die die Frage, wann dieses „Irgendwann“ eigentlich ist.


© 2012 by Parallel-Gesellschaft.org & Thomas Bohn. All rights reserved.

Leave a Response

Please note: comment moderation is enabled and may delay your comment. There is no need to resubmit your comment.

Spam Protection by WP-SpamFree