Viktorianisches England für Nerds



The Iron Wyrm Affair

The Iron Wyrm Affair

Ich mag ja Steampunk. Auch wenn dieses Genre in Deutschland nie so richtig Fuss gefasst hat. Ich mag das Setting einfach. Nach langer Pause in diesem Bereich, habe ich mir jetzt kürzlich – trotz gewisser Bedenken – ein Buch von Lilith Saintcrow zugelegt. “The Iron Wyrm Affair”, die Dame hat wohl schon einiges produziert, aber viel aus dieser “Urban Fantasy” Richtung, also Vampire, viel Frauenpower, Romantik, etc.

Bannon und Clare sind jeweils eine Zauberin, Emma Bannon, und ein Mann, Archibald Clare, der auf den ersten Blick stark an Sherlock Holmes erinnert. (Es ist nicht ganz einfach die Unterteilung “sorceress, witch, magician” in den passenden deutschen Bezeichnungen ordentlich abzugrenzen)

Die Geschichte spielt in England ca. 17./18. Jahrhundert und Britannia persönlich regiert in Form von regelmässiger Reinkarnationen. Die aktuelle Inkarnation, Queen Victrix, ist noch relativ jung und ist grade erst dabei die Regierung von den Überresten ihrer Mutter zu reinigen. Aus bisher noch ungeklärten Gründen, ist Emma Bannon ihr absolut treu ergeben, und nicht nur ihr, sondern auch Britannia.

Archibald Clare selber ist etwas, was sich Frau Saintcrow von Frank Herbert abgeguckt hat und fast genauso nennt. Er ist ein Mentat (im Original Mentath geschrieben). Sein Schwerpunkt ist Holmes-mässig die Schlussfolgerung aus gegebenen Daten. Computer gibt es keine. Wenn man wie ich nebenbei noch die Dune Romane als Hörbuch hört, ist man kurz verwirrt und rechnet damit altenglische Herren den Butler’schen Djihad kämpfen zu sehen. Das passiert aber – zum Glück – nicht.

Die Protagonisten finden zueinander, weil aktuell jemand damit beschäftigt ist die Mentate in England auszuschalten, Clare gehört zu den wenigen die noch leben und Miss Bannon hat gewisses Interesse daran ihn am Leben zu halten. Einerseits als Köder, anderseits als Denkhilfe.

Im Lauf der Geschichte entwickelt sich die Mordserie dann zu einem grossangelegten Komplott gegen Britannia, als Land und Person.

Als Gegenspieler kommen Drachen, Griffons und Maschinen, die einen Hybrid zwischen Mensch und Maschine darstellen. Bei eben jenen Hybriden freut sich dann der innere Nerd, da es zu kurzen Erwähnungen von Charles Babbage und Ada Lovelace kommt. Freundlicherweise kein Alan Turing, der hätte in der Zeit auch nix zu tun gehabt.

Von der Schreibweise ist die Geschichte durchaus angenehm, mich stört lediglich der deutsche Ingenieur. Wenn die Autoren die Sprache nicht fliessend beherrschen, dann bitte die fremdsprachigen Teile von Muttersprachlern korrekturlesen lassen! Es ist unglaublich irritierend, dass der zwar deutsch spricht wenn er aufgeregt ist, dabei aber Grammatik- und Schreibfehler macht. Klischeehaft isst er übrigens ständig Wurst. Dafür hat er sein Examen an einer Uni in Würzburg gemacht. Italienisch kann ich nicht gut genug, um zu beurteilen ob der Italiener auch Fehler macht.

Die Charaktere selbst sind interessant ausgelegt und machen neugierig auf weiteren Hintergrund zu den jeweiligen Personen, einiges in der Welt verdient noch etwas nähere Erklärung, insgesamt mag ich es aber wenn man als Leser_in vor Tatsachen gestellt wird, deren Zusammenhänge sich im auf des Buches auflösen.

Ihre sonstige Bücher machen den Eindruck stark Romantik-lastig zu sein, das verkneift sie sich bei der Iron Wyrm Affair grösstenteils. Ich persönlich bin dafür eher dankbar. Jetzt bin ich mal gespannt wie sich Teil zwei Ende diesen Monats macht, es scheint aber durchaus eine angenehme Serie zu werden.

Wer das Steampunk und Detektiv Genre mag, Augen aufhalten nach eventueller Übersetzung, sonst das Original lesen.

Lilith Saintcrow
The Iron Wyrm Affair (Bannon and Clare 01)
erschienen 2012
ISBN-13: 978-0356500928
Taschenbuch, 308 Seiten
Little, Brown Book Group


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