Krautreporter, Krautfunding und viel dumme Krauts



Warum man, wenn einem danach ist, ein neues Onlinemagazin zu starten, nicht zuerst eine Nullnummer erstellt, um den potenziellen Lesern zu zeigen, was sie erwarten dürfen, bevor man sie dann um Geld bittet, wird wohl eines der großen Geheimnisse des coolen Online-Hipsterjournalismus bleiben.
Womit wir auch schon bei früher sind, also der Zeit, als Leute, die ein cooles und hippes Zeitungsdings starten wollten lieber tot umgefallen wären als damit zu werben, dass Chefredakteure und Herausgeber von BOF*-Medien ihre Idee und ihr Konzept ganz unerhört toll finden. Gut, das war halt eben dieses früher, als man Sachen einfach machte statt erst darauf zu warten, dass vorab genug Geld zusammenkommt, um ein bequemes Leben zu garantieren. Nun ist eigentlich auch nichts daran verkehrt, ein bequemes Leben ohne finanzielle Sorgen führen zu wollen – ganz furchtbar entsetzlich verkehrt von den Krautreportern ist es allerdings, so zu tun, als sei man im Prinzip das einzige und erste leserfinanzierte Medienprojekt der Republik.
Oder diesem Eindruck zumindest nicht entgegenzuwirken. Und auch nicht dem, dass unabhängiger Journalismus nur mit viel, viel Geld möglich ist.
Wie viele Krautunterstützer allein auf Twitter stolz darauf verweisen, dass sie nunmehr dieses tolle Dinge unterstützen, weil es ja um “unabhängigen Journalismus” gehe, den es ja ansonsten gar nicht gebe, ist schon erstaunlich. Noch erstaunlicher wird die Sache allerdings, wenn man versucht, herauszufinden was sie damit meinen.

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Die Antworten (nicht nur auf Twitter) fielen nicht anders aus als das, was man auf jeder x-beliebigen Montagsdemo von den dort gegen die USA und für den Weltfrieden Herumstehenden hören kann: Irgendwie alle korrupt, nur Augstein nicht, der sich als Einziger den großen Medienmogulen tapfer entgegenstellt. Und: Medienkonzentration, böse, böse Medienkonzentration. Plus: Alle gekauft. Also alle Journalisten. Oder jedenfalls fast alle. Die Wahrheit zu schreiben traue sich ja niemand, und überdies sei das ja durch die Verlage ohnehin verboten.

Noch ein bisschen aparter wird es, wenn man die Menschen mit der verzehrenden Sehnsucht nach unabhängigem Journalismus fragt, welche kleinen Zeitungsprojekte wie konkret, Jungle World und ja, auch die junge Welt sie denn bisher so unterstützt haben. Neben viel Schweigen lauten typische Antworten, dass man hin und wieder taz kaufe und halt online dies & das lese (sicher mit eingeschaltetem Adblocker, aber dazu kommen wir ein anderes Mal).

Die Krautreporter können nichts für solche Unterstützer, das ist mal klar. Und wenn Leute gern Geld in das Projekt stecken wollen, das am lautesten Ichichich und Hippness schreit, dann ist das eben so.

Für alle, die es sympathischer finden, Zeitungen zu unterstützen, die ohne Crowdfunding und Reisespesen und Anzeigen Redakteure und Autoren bezahlen oder dies gern tun können würden, hier eine kleine, noch zu ergänzende Liste von linken Medien, die Geld gebrauchen können (und ja, das Magazin von Radio FSK auch, weil isso):

Jungle World – http://jungle-world.com/
konkret – http://www.konkret-magazin.de/
hhmittendrin – http://hh-mittendrin.de/
Missy_Magazine – http://missy-magazine.de/
Publikative.org – http://www.publikative.org
Transmitter – http://www.fsk-hh.org/transmitter
Ruhrbarone – http://www.ruhrbarone.de/
Bahamas – http://www.redaktion-bahamas.org/
Titanic – http://www.titanic-magazin.de/
ak – analyse & kritik http://www.akweb.de/
Transparent-Mag – transparent-magazin.de
*BOF: boring old fart


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2 Comments

  1. Hallo Elquee,

    kurz: ich finde vieles was ich von dir lese gut, ich verstehe auch einige deiner oben erwähnten Kritikpunkte, aber ich frage mich (nicht nur bei dir) warum reicht nicht einmal diese Gedanken nach außen tragen und dann die Krautreporter Krautreporter sein lassen. Ich verstehe nicht weshalb von allen Seiten so viel Energie in die Kritik dieses Projektes fließt.
    Auch ich hatte und habe einiges daran zu kritisieren, inhaltlich, strategisch und nicht zuletzt ein ziemlich schwaches “Marketing”, trotzdem geb ich die 60.- Euro, keine Ahnung was daraus wird, vielleicht wirds gut, wäre super, wenn nicht, auch egal, ich hab auch schon eine Menge Geld in Zeitungen investiert und hab nicht jede einzeln darauf abgeklopft ob sie jetzt den investierten Betrag wert war.
    Auch wenn du hier vorgeblich eher die Unterstützer kritisierst, irgendwie lese ich das ganze, als wärst du persönlich gekränkt von dem Projekt. Und selbst wenn, manchmal ist das einfach so, kommt vor, ist auch nicht schlimm, aber dann kotz dich einmal aus und belasse es dabei. Ich lese lieber deine guten Sachen.

    Gruß

  2. Bißchen tendenziös die Auswahl ;) Da fehlt die ‘Rote Fahne’

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