Der Mythos vom Peak-Oil-Mythos

Der aktuelle Ölpreis scheint nur eine Richtung zu kennen, er geht nach oben. Dies tut er regelmäßig, und genauso regelmäßig sinkt er wieder. Die Tendenz nach oben ist klar, doch die Schwankungen sind erheblich. Für die Steigerungen wird meist das Sinken der so genannten natürlichen Produktivität des Öls angeführt. Mit jedem Barrel, welches aus dem Boden gepumpt wird, wird es schwieriger das nächste Barrel zu bekommen. So muss immer mehr Kapital aufgewendet werden, um die gleiche Menge Öl zu fördern. Doch dies erklärt nur den allgemeinen Aufwärtstrend des Ölpreises, die Schwankungen werden meist  durch politische Instabilitäten der Förderländer beschrieben. So seien Krisen im Nahen Osten für die hohen Preise verantwortlich. Als drittes kommt die Nachfrage hinzu, sie steigt ebenfalls Jahr für Jahr. Und dies auch durch die wirtschaftliche Entwicklung in Schwellenländern wie China und Indien. So muss die Ölförderung regelmäßig mit der Nachfrage steigen.

Nur wie lange kann die Ölförderung noch steigen, um den weltweiten Bedarf zu decken? Damit beschäftigt sich die Theorie des so genannten „Peak Oil“, sie beschreibt genau den Punkt an dem eine weitere Steigerung der Förderung nicht mehr möglich ist. Danach, so die Theorie, muss die Förderung sinken. In der Vergangenheit wurde oft über den Zeitpunkt diskutiert, häufig wurde angenommen, dieser Zeitpunkt würde in den nächsten zehn bis 15 Jahren kommen. Doch meist erwiesen sich diese Zeitpunkte als nicht richtig. Technischer Fortschritt und neue Ölfunde zögerten diesen Termin bisher hinaus.

Durch die Tatsache, dass die Vorhersagen über den Zeitpunkt des Peaks, sich bisher alle als falsch herausgestellt haben, leiten einige Menschen den Schluss ab, es gebe überhaupt kein Peak Oil und dies sei nur ein Mythos oder ein Mittel die Ölpreise künstlich nach oben zu treiben. Es gibt unter diesen Kritikern auch jene, die sind nicht einmal mehr davon überzeugt, dass Öl ein endlicher Rohstoff wäre. Diese Theorie des sog. abiotischen Öls baut einerseits darauf auf, dass bis heute nicht eindeutig geklärt ist, wie sich Öl überhaupt gebildet hat. Die Konsensmeinung geht von einer Umwandlung von Pflanzen und Plankton unter großer Hitze und Druck über Millionen von Jahren aus. Die Theorie des abiotischen Öls geht von einer Bildung des Öls aus der Erdkruste selbst aus. Dieser Prozess würde dafür sorgen, dass sich immer wieder neues Öl bildet, allerdings wissen die Vertreter dieser Theorie nicht, wie schnell dieser Prozess ist oder wie er überhaupt funktioniert. Doch wirklich im Widerspruch zur These des Peak Oils steht die Theorie des abiotischen Öls nicht. Es wäre bloß ein Hinweis darauf, wo diese Fördermaximum zu suchen ist, nämlich genau dort, wo auch die Erneuerungsrate des Öls liegt. Wird mehr gefördert, wird es unweigerlich zu engpässen kommen.

Viel häufiger wird gegen die These des Peak Oils der schon erwähnte technische Fortschritt angeführt. Dieser Fortschritt wird meist linear in die Zukunft weitergeschrieben. So gibt es Fortschritte bei der Technik, des es möglich machen, tiefer zu bohren oder auch so genanntes unkonventionelles Öl, wie Ölsand oder Ölschiefer mit aufwendigen Verfahren, wie z.B. mit dem hydraulischen Fracking zu fördern. Auch gibt es immer wieder neue Funde, z.B. in der Arktis, wo bisher das Eis den Zugang zu den Ölfeldern versperrt hat. Nur auch solche Erkenntnisse widersprechen der Peak-Oil-These nicht, sie verschieben das Ereignis bloß in die Zukunft. So ist trotzdem sicher, dass die Ölförderung mit dem Ölbedarf irgendwann nicht mehr mithalten kann, so stellt sich nur noch die die Frage, wann dieses „Irgendwann“ eigentlich ist.

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Neinneinnein, nicht von Gandhi. Echt nicht.

Von den Piraten über die Linksjugend Eisenach bis zur NPD: Wann immer sich Anhänger einer wie auch immer gearteten politische Gruppierung gegenseitig Mut machen möchten, greifen sie zu dem Mohandas Karamchand Gandhi zugeschriebenen Spruch und tröten fröhlich:

“Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du”

Klingt schließlich sehr schick, der Spruch, und weil Gandhi draufsteht, auch wahr, denn das kennt man ja: Fernöstliche Weisheiten stimmen immer.

Wie im Internet üblich, hat natürlich keiner derjenigen, die den Slogan bei jeder auch nur halbwegs passenden Gelegenheit verbreiten, sich auch darum gekümmert, ob der Polit-Popstar wirklich sagte, was ihm zugeschrieben wurde, zum Beispiel, weil aufgefallen wäre, dass der Satz nicht wirklich zur Diktion von Gandhi passt. Was schade ist, denn ansonsten wäre jetzt der US-Gewerkschaftler Nicholas Klein zu spätem internationalem Ruhm gekommen. Denn während Gandhi den fraglichen Satz niemals geäußert hatte, erklärte Klein sehr wahrscheinlich im Jahr 1918 (einige Quellen geben allerding das Jahr 1914 an) in einer Grußad­resse anlässlich eines Kongresses der US-Gewerkschaften: »Und, liebe Freunde, in dieser Geschichte findet ihr die Historie unserer gesamten Bewegung wieder: Zuerst ignorieren sie dich. Dann machen sie dich lächerlich. Dann greifen sie dich an und wollen dich verbrennen. Und dann errichten sie dir Denkmäler. Und das ist genau das, was den vereinigten Arbeitern der Bekleidungsindstrie Amerikas passieren wird.«

Und trotzdem wird es im Internet auch weiter heißen: »Wie Gandhi schon sagte: …« Klingt ja auch besser als »Wie der Gewerkschafter Nicholas Klein schon schrieb…«

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In welche Schublade wollen Sie denn heute?

Ich kapiere es nach wie vor nicht, aber ich gebe nicht auf. Irgendwann habe ich die ominöse Feminismusdings kapiert. Also irgendwann, nicht heute, und nicht morgen, nicht nächste Woche … hmm … mal sehen.

Ich habe mir auf Twitter mal sagen lassen, dass ich wie ein “Gegenentwurf zur boys’ club Anpasserin” wirke. Und vor einigen Monaten musste ich mir beim Stehenbleiben am Krawattenstand sagen lassen “wir sind Mädchen, wir tragen keine Krawatten”. Ich beobachte Diskussionen zu einem feministischen Blog und stosse dort auf einen Namensvorschlag “bits & dykes” und bin ein wenig erschrocken. Für mich persönlich ist dyke immer noch ein extrem unhöflicher Begriff für Lesbe.

Insgesamt kommt es mir so vor als sei Feminismus immer noch arg eingeschränkt, nachdem unsere Vorfahrinnen BHs verbrannt haben, dafür gesorgt haben, dass wir das Wahlrecht haben, scheint es doch immer noch so als wäre die ganze Sache recht fix vorgegeben. Das Nerdmädchen von heute muss Interesse an Mode haben, Makeup können, technisch versiert sein, bunte Nägel habe und bei Glitter hysterisch kichern.

Ich mag keinen Glitter, ich mag manchmal Hello Kitty, aber mit einem Grad Selbstironie. In meinem Fall die Mischung aus Mädchen und Asiatin sein. Ich mag kein rosa, ich mag meine Gadgets in erster Linie funktional. Ich hab manchmal bunte Nägel. Ich mag auch manchmal Krawatte tragen.

Ich denke auch gerne mal über die “männliche Seite” einer Sache nach. Ich vermisse bei manchen feministischen Aussagen die freie Wahl. Im Jahr 2012 sollte Feminismus auch sein, dass Frauen anderen Frauen eine Wahl lassen. Ob sie glitzernde rosa Plüschkugeln an ihr Handy hängen wollen, oder eben nicht. Beides sollte erlaubt sein. Es sollte erlaubt sein Hosen und flache Schuhe zu tragen, abgekaute Fingernägel zu haben, die InStyle nicht zu lesen und trotzdem ein Linux auf Kommandozeile bedienen zu können. Es sollte erlaubt sein Witze über Frauen zu machen, genau wie es erlaubt sein sollte Witze über Männer, Hasen und Windows Phone User zu machen.

Wir sind in Deutschland, Deutschland hat leider im Gegensatz zu manchen anderen Sprachen eine starke Geschlechtertrennung. Muss ich mich deswegen verrückt machen? Ich behalte mir weiter das Recht vor auf die Frage nach meinem Beruf zu sagen “Programmierer”. Wem die deduktiven Fähigkeiten fehlen, aus meinem Aussehen oder meinem Namen die weibliche Geschlechtsform zu erkennen, hat Pech gehabt. Ich bin zu tippfaul überall ein Binnen-I oder wie das heisst, einzuführen.

Ich verstehe auch immer noch nicht warum es jetzt Flugbegleiterin heisst, und nicht mehr Stewardess und Frisörin und nicht mehr Friseuse. Ich verstehe auch nicht warum ich keine Krawatte tragen dürfen sollte, wenn ich das gerne möchte. Und ich verstehe nicht, warum ich Glitter mögen sollte. Ich verstehe nicht warum andere Glitter mögen, aber wenn sie das mögen, sollen sie halt. Toleranz ftw!

Ich bin keine Boys’ Club Freundin, aber es fällt mir manchmal leichter die Kerle zu verstehen. Ich verstehe noch immer nicht ganz die Definition von Feminismus heutzutage. Es scheint aber nicht auszureichen sich als Frau (wohl) zu fühlen, und zu benehmen wie ich es für richtig halte unter Einsatz von gesundem Menschenverstand, emotionaler Irrationalität, Wikipedia, Bauchgefühl und persönlicher Definition von Integrität. Schade eigentlich.

Ich vermisse das gute alte “leben und leben lassen”. Oh Moment, nein, das hat es ja noch nie richtig gegeben. Verdammt.

Übrigens habe ich heute schlammfarbene Nägel, und meine Ipad Hülle ist grau, ohne Glitzer. Und ich werde eher töten, als jemand daran Glitzer machen zu lassen. XKCD les ich aber trotzdem weiter. Ich reisse mir auch weiterhin eher die Augen aus, als InStyle zu lesen oder mir zu merken wo ich mir Klamotten kaufe. Und Geek & Poke ist immer noch toll.

Nehmt dies!

Und sobald ich weiss, was ich damit aussagen will, ausser mein Nichtbegreifen des Feminismus, hör ich damit vielleicht wieder auf.

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Dichter gesucht. Tot oder lebendig.

Wo ist denn nun der Kubus?

Oder auch “Dead or Alive, es kann nur eines gewinnen.” Die “Dead or Alive” Slams gehören in Würzburg ja – zum Glück – zum Standardunterhaltungsprogramm. Seit Anbeginn der Zeit, also seit 2009 findet im Mainfrankentheater mit steter Unregelmässigkeit diese Slamform statt. Dabei handelt es sich um eine daumenlose Handvoll (also vier) quicklebendiger Poetry Slammer aus den weiten Räumen Deutschlands, die sich dem verbalen Kampf gegen vier (also eine daumenlose Handvoll) Theaterschauspieler – ebenfalls quicklebendig – stellen.

Der aufmerksame Leser fragt sich jetzt wo die Toten sind. Ja ihr Streber, dazu kommen wir noch. Die Theaterschauspieler verkörpern diese vier Toten. Sie treten auf als verstorbene Dichter, Lyriker, Schrifsteller, Kabarettisten, kurz, als jene die nicht mehr unter uns weilen, aber dank ihrer Worte unsterblich sind, oder zumindest nicht ganz so sterblich wie zum Beispiel Karl-Heinz Meier aus Oberbachen unter dem Rhein.

Seitens des Mainfrankentheaters werden dank Bernhard Stengele (Schauspieldirektor von Saison 2004/2005 bis 2011/2012) mal mehr, mal weniger bekannte Verstorbene und Texte gewählt (z.B. Sarah Kane, Klaus Kinski – mit einem Auftritt der in Würzburg in die Geschichte eingehen dürfte, Schiller, Heine, etc)

Die lebhaften Slammer treten mit ihren eigenen Texten an, mal in Reimform, mal formlos als Anekdote, aber immer mit hohem  Unterhaltungswert.

Eine Jury aus dem Publikum vergibt Punkte, im Finale tritt jeweils der bestbepunktete lebende Slammer gegen den bestbepunkteten quasi-toten Schauspieler an. Als Sieger zählt jedoch das Team. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir der aktuelle Punktstand nicht geläufig ist, dürfte aber sehr knapp sein.

Im April findet nun der sechste oder siebte Dead or Alive Slam statt, da es von mal zu mal wichtiger ist, sich Karten bereits im Vorfeld über den Vorverkauf zu sichern, der Erfolg des Formats zeigt sich deutlich an dem ständig volleren Haus. Da schien es ein geeigneter Zeitpunkt, sich mit dem Begründer des Würzburger Dead or Alive Slams zu unterhalten.

Christian Ritter moderiert nicht nur die DoA Slams, er organisiert und moderiert auch die regulären Poetry Slams in Würzburg, die so ziemlich jeden ersten Sonntag des Monats in den Posthallen stattfinden. Ausserdem ist Christian Ritter deutschsprachiger Vizemeister 2009, Bayernmeister 2010 und eigentlich dauert es viel zu lange diesem Ruhm alle Ehre zu machen.
Zufällig vor Ort waren noch Andy Strauß, seines Zeichens Poetry Slammer seit 2006, berühmt und gefürchtet für sein Denkmal Bashing; und Casjen Ohnesorge, Lyrik Slammer, der sich auch gerne mal in vielen Finalen herumtreibt.

 

Christian, erzähl doch vier oder fünf einleitende Sätze über dich.

CR: Mein name ist Christian Ritter, ich bin Diplomgermanist und veranstalte die Slams hier in Würzburg und andernorts, und hier in Würzburg habe ich den Slam quasi ins Leben gerufen. 2005 damals im AKW und nach mehreren Stationen ist der jetzt in der Posthalle angekommen und auch im Theater. Ansonsten schreibe ich Kurzgeschichten und seit neuestem Romane.

Wie kam es überhaupt zu den Dead or Alive Slams?

CR: Das DoA Slam Konzept haben – soweit ich weiss – die Leute in München erfunden, und hat sich zunächst in München festgesetzt und in Berlin und den anderen grösseren Städte. Irgendwann hatte ich eben auch Lust bisschen über die normalen Slams hinaus zu gehen und das mal zu probieren. Dann habe ich die Theaterleute gefragt, die recht begeistert waren von der Idee und einmal ausprobiert – wie bei allen neuen Sachen die ich mache, ausprobieren und gucken ob es läuft – und dann eben weitere Termine. Und es ist ja ganz gut angelaufen. Das im November war jetzt der fünfte oder sechste.
Es ist halt so eine spannende Idee weil das Theaterpublikum mal Slam zu sehen bekommt, und die Leute für wenig Eintritt als üblich ins Theater kommen, die Slamzuschauer also auch mal dahin gehen und sich die Zuschauerschaft so gut vermischt.

Du selber bist aus Bamberg, wie bist du nach Würzburg gekommen?

CR: Ich habe in Bamberg studiert und bin hier in der Nähe in Tauberbischofsheim aufgewachsen – da kann ich ja auch nix für – und als ich irgendwann mal den Drang in mir verspürt habe, nicht nur selbst aufzutreten bei Slams, sondern auch selber welche zu veranstalten, da gab es hier gerade keinen Slam und deshalb hab ich mir Würzburg ausgesucht.

Wer vom Theater ist an den DoA Slams noch beteiligt?

CR: Im Theater läuft das so ab, dass ich die Mannschaft der Lebenden zusammenstelle und mir vier Leute einlade und Bernhard Stengele (Schauspieldirekter 2004/2005 – 2011/2012) kümmert sich um die Mannschaft der Toten. Es ist durchaus auch ein spannender Wettkampf zwischen uns, weil er auch sehr ehrgeizig ist und die Sache wirklich ernst nimmt, was man den Schauspielern auch anmerkt, die bringen hier regelmässig sehr gute Leistung. Da ist es nicht damit getan, dass das Kostüm sitzt und die ihren Text auswendig können, sondern die machen sich auch viele Gedanken über die Darstellung des Charakters, die Vortragsweise des Textes und den Entertainmentfaktor. Das läuft hier wirklich sehr gut und man hat es immer wieder schwer sich gegen die Schauspieler hier durchzusetzen.

Habt ihr jemals drüber nachgedacht das schwerer zu gestalten? Seit dem ersten Slam bei ich dabei war, hatte ich immer das Gefühl es ist für die Jury sehr schwierig, weil quasi Äpfel mit Birnen verglichen werden.
Es war einmal Sarah Kane dabei die an sich tolle Stücke geschrieben hat, anderseits hatten wir viele Lebende dabei die “Populärcomedy” gemacht haben. Gab es da jemals den Versuch zu sagen man grenzt das mal thematisch ein um mehr Vergleichsmöglichkeit zu bieten?

CR: Wenn man denn die Wertung jetzt unglaublich ernst nehmen würde, könnte man sich darüber Gedanken machen, aber die ganze Sache mit Punkten und Bewertung ist einfach nur ein Zusatzelement, das man eigentlich vernachlässigen sollte. Das ist nur dazu da, dass das Publikum quasi mitentscheiden kann und eingebunden ist, dass es eben keine Sache ist, bei der man passiv zuhört und klatschen muss weil es ganz toll war. Es ist dafür gedacht, dass die Macht im Publikum liegt. Das ist ja der Grundgedanke des Slams an sich, dass man eigentlich nicht vergleichen kann, aber es eben doch tut. Es gibt ja auch Prosa vs Lyrik Slams oder themenbezogene Slams, das hat ja alles was für sich um eine grössere Objektivität reinzubekommen. Aber wir verleihen hier keinen Literaturpreis oder sonstiges, bei dem es darauf ankommt wer jetzt besser oder textlich brillianter war. Es gibt in der Posthalle den zusammengesammelten Kram der Leute zu gewinnen, das ist ein Preis, den will man teilweise gar nicht haben.

Wie schwer ist es da Leute zu finden, in Deutschland gibt es ja fast überall Slams. Kommen die Leute da mittlerweile freiwillig auf dich zu oder hast du organisatorische Schwierigkeiten Teilnemher zu verpflichten?

CR: Teils teils. Die Schwierigkeit gerade hier in Würzburg ist eigentlich neue Leute aus der Stadt auf die Bühne zu kriegen, die sich auch mal trauen mitzumachen, was möglicherweise daran liegt, dass die Qualität doch sehr gestiegen ist und ich mir halt immer mehr Leute so einlade von denen ich vorher weiss dass die richtig gut sind. Das sorgt einerseits dafür, dass das Publikum mir hoffentlich treu bleibt weil eine gleichbleibende Qualität vorliegt, anderseits könnte es abschreckend sein wenn man selbst vorhat mitzumachen.
Es ist tatsächlich so, dass sich viele bei mir melden und sagen “ich möchte mal bei einem deiner Slams auftreten”, dann muss ich halt gucken, sechs bis sieben Leute nehme ich an, oder lade sie aktiv selber ein, und der Rest der Plätze – in der Hoffnung dass mal Leute von hier teilnehmen wollen – lasse ich offen. Ab so sechs Teilnehmern ist ein guter Slam garantiert und Probleme hatte ich in letzter Zeit nicht mehr da ein ordentliches Line-up zusammenzukriegen.

Wie macht ihr das mit den extrem niedrigen Eintrittskosten? 5 euro für den DoA Slam sind ja echt sehr wenig. Wie haut das hin mit den Kosten für die Teilnehmer?

CR: Das kann “uns” in dem Sinne egal sein, das ist Sache des Theaters, denn wir bekommen eine feste Gage.

Das heisst für die Zukunft sind diese Slams gesichert?

CR: Ja, natürlich ist mir letztens aufgefallen, dass der Theaterslam billiger ist als der normale Poetry Slam, der ja 6 Euro kostet. Keine Ahnung ob man das beim nächstne Mal angleicht. Aber ich glaube bei normalen Theaterpreisen von so ca 15 Euro, hätten wir kein ausverkauftes Haus. Der Preis ist natürlich Teil des Anreizes mal in das Theater zu gehen und sich etwas anderes als Schauspiel anzusehen.

Hast du selber schonmal an einem DoA Slam teilgenommen?

CR: Ich bin eher so der Mensch, der da selten eingeladen wird, weil gerade Leute die das jetzt neu orginisieren speziell zu Beginn ungern Kurzgeschichten oder Storyteller nehmen. Es gibt quasi Theaterslammer, am Anfang nimmt man dann eher Leute die selber etwas schauspielern, die mehr Spoken Word machen. Ich hatte bisher zwei Teilnahmen bei DoA Slams. Ich mache es natürlich gerne wenn ich gefragt werde, aber ich wurde eben schon länger nicht mehr gefragt.

Der Vorteil dass wir jetzt mehrer Slammer hier haben, ist natürlich total gut. Ist es anders im Theater beim DoA im Vergleich zu einem regulären Slam?

AS: Es macht mehr Spass finde ich. Ich stehe unheimlich gerne auf Theaterbühnen, bin nebenher auch Schauspieler und bin auch immer interessiert daran was Schauspieler machen. Weil das Dinge sind, die man noch nicht gesehen hat. Von den gängigen Slammern kennt man die Texte und weiss was die so machen, aber so entdeckt man mehr Neues.

CR: Man wird ja genau wie die Zuschauer überrascht was die Schauspieler da bringen.

CO: Ich finde es auch schön, weil man als Team auftritt, man ist also nicht so stark in Konkurrenz zueinander, man hat in der Regel eine Gage und es sind meist schöne Bühnen.

Das Mainfrankentheater als schöne Bühne zu bezeichnen finde ich persönlich jetzt mutig, aber wir lassen das mal so stehen.

CO: Nein 700 leute bei nem Slam ist ne coole kulisse, egal wie die Bühne jetzt aussieht.
CR: Und der Sternenhimmel!
CO: Die Frage war ja auf Theaterslams im Allgemeinen und da gibt es das Deutsche Schauspielhaus, das ist normal schon netter als ein Kinosaal oder so.
AS: Das Deutsche Schauspielhaus ist sehr schön, das ist echt toll.
CR: in Bamberg mach ich das Gleiche ja auch im Theater, da haben wir jetzt schon zweimal in Kulissen gespielt, einmal war das Dschungelbuch aufgebaut, da konnte ich dann von der Hängebrücke aus modererieren, und vor kurzem war MacBeth, da war ein Sumpf auf der Bühne, wir mussten echt in Gummistiefeln da durch waten, das war natürlich ein zusätzlicher Spassfaktor.

Lernt ihr quasi was von den Theater Darstellern? Man merkt schon dass die Schauspieler z.B. in sachen Bühnenpräsenz weiter vorne liegen (Anm: mit der Frage hab ich mir keine Freunde gemacht)

AS: Ich würde ja sagen dass die eher noch bei mir lernen.
CO: Ich würd auch sagen deine Frage ist eher provokant so als Interviewerin. … Das kann schon passieren dass man da etwas mitnimmt, aber das passiert genauso bei anderen Slammern. Man sieht ja schon manchmal dass auch die Schauspieler mit dem Slam nicht so zurecht kommen, die kennen das Format nicht so. Das sieht man einfach Extreme deutlicher, die mögen schauspielerisch besser sein, können aber mit der Kürze nicht so umgehen.
AS: Ausserdem sind Slammer ja nicht nur Slammer, sondern machen auch noch andere Dinge und sind somit wahrscheinlich auch breiter gefächert. Jemand der im Ensemble Theater spielt, hat ja gar keine Zeit sich um andere Dinge zu kümmern wenn er da drei oder vier Produktionen gleichzeitig hat. Als Slammer ist man dann ja eher – ich sag mal wilder – weil man noch viel mehr andere Dinge macht.

Interviewerin kaut auf Essen herum, stellt euch mal selber Fragen…
Was machen wir in unserer Freizeit?

CR: Ich baue z.B. eine Stadt, das ist eine tolle Sache die man in seiner Freizeit tun kann.
CO: Ich habe eigentlich gar keine Freizeit.
AS malt ein Bild.

CO: Für Würzburg wär es eigentlich ganz spannend einen Spin-off Slam zu haben, so mit kleinem Publikum, weniger Leuten, so für Einsteiger.
CR: Ja, kannst du gerne machen, die Idee gab es mal. Aber hat dann keiner gemacht.
AS malt weiter an dem Bild. (Ich erkenne immer noch nicht was es sein soll)

Wie kommt man eigentlich generell auf die Idee Slammer zu werden?

CR: Ich glaub man kommt nicht auf die Idee, man rutscht da irgendwie so rein.
CO: Ja, früher war das so. Heute gibt es ja viele Workshops für Slammer, als wir angefangen haben war das anders, da kamen Freunde “du, es gibt da sowas, du schreibst doch, geh doch mal…” Heute ist es glaube ich “professioneller”.
CR: Als ich das die ersten drei vier Jahre gemacht hatte auch nicht geplant, dass ich das quasi mal hauptberuflich mache. Was ich ja jetzt mache. Das entwickelt sich halt so, je länger du das machst, desto mehr Leute lernst du kennen, kannst in die Theaterhäuser gehen … die Möglichkeiten, die man in diesem Bereich bekommt, sind schon toll.

Was sagt man Leuten, die sowas an sich gerne machen würden, aber sich nicht trauen?

AS: Wenn es das Richtige für dich ist, dann machst du das irgendwann
CO: Man kann es ja mal mit 10 freunden probieren, wenn es denen dann gefällt…wenn die dann sagen das ist geil, dann hast du vllt auch den Mut das auf einer Bühne zu machen.
<kurze Ehestreit-ähnliche Diskussion zwischen oc und cr, die wir der Öffentlichkeit vorenthalten, da das meiste unverständlich ist>
CR: Die grösste Überwindung ist natürlich der erste Auftritt, aber wenn man was hat was da reinpasst, dann muss man sich halt einfach mal trauen.
OC: Es ist aber schon problematisch, weil manche Leute vielleicht nette Texte haben, die sind aber für das Format gar nicht so geeignet, gehen dann auf die Bühne und kriegen dann womöglich auch vom Publikum eine verpasst beim ersten Mal und probieren es dann nicht nochmal. Das war als wir angefangen haben noch nicht so schlimm, da waren die Slams kleiner, es waren weniger Leute da, da probierst du es einfach noch vier/fünf mal mal, heute ist die Schwelle einfach deutlich höher.

Heutzutage scheint auch das Publikum einfach eine gewisse Qualität zu erwarten?

CO: Nicht nur qualität, auch Textform. Ich als Lyriker muss auch oftmals beklagen, dass ich von lustigen Geschichten einfach nur weggeblasen werde und keine Chance mehr habe.
CR: Ja, das kannste ja dann in Gedichten verarbeiten
<auch hier ein Ehe-ähnlicher Dialog, den wir wieder nicht transkribieren, die Öffentlichkeit mag ein Recht haben, aber die Würde des Menschen ist eben unantastbar>
AS: redet über den unsichtbaren Kubus auf seinem Bild (“ich weiss nicht wo dein Kubus ist!”)

Am Ende stehe ich da, habe ein Bild dessen Sinn sich mir nicht erschliesst, fürchterlich viel aufgenommenen Text abzutippen und bin etwas enttäuscht, das vom Theater keiner mit mir reden wollte.

Nichts desto weniger hat man allen Grund zur Vorfreude auf den 19. April, fest steht dass seitens der Dichter wieder schwere Geschütze aufgefahren werden und auch das Theater wird sicher dafür sorgen, dem bisherigen Qualitätsanspruch gerecht zu werden.

Sollte jemand die Chance bisher vertan haben und noch nicht Zeuge dieses Events gewesen sein, sollte Mensch dies schleunigst ändern, einige Städte halten mittlerweile dieses Slamprinzip ab und es ist auf alle Fälle einen Besuch wert.

Wer sich vorab mehr informieren möchte, kann es bei folgenden Links versuchen:

Würzburger Slamseite: http://www.wüslam.de/

MySlam bietet recht viel: http://www.myslam.net/

Würzburger Slam Facebook Page: Poetry Slam Würzburg

Christian Ritter’s Homepage: Christian Ritter Blog

 

Also, Seiten besuchen, Slams angucken, Socken sortieren und Haare waschen könnt ihr auch wann anders.

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Die Legende vom Josephpfennig

In der Folge “A Fishful of Dollars” der Fernsehserie Futurama geht Philip J. Fry zu seiner alten Bank und will seine verbliebenen 93 Cent abheben. Zu seinem erstaunen hat sich dieses Geld im Verlauf seines 1000-jährigen Schlafs zu einem Vermögen von 4,3 Mrd. Dollar entwickelt. Eine ähnliche Idee beschreibt der sog. Josephpfennig. Nach dieser Idee hat Joseph bei der Geburt von Jesus einen Pfennig auf ein Konto einbezahlt. Durch die Zinsen und Zinseszinsen wäre der Wert von Josephs Sparbuch in astronomische Höhe gestiegen. Es dient als Modell gegen den Zins und soll belegen, dass das Zinssystem langfristig nicht funktionieren kann und überhaupt unmoralisch ist.

Allerdings gibt es mehr als nur ein Problem mit diesem Modell. Es beginnt damit, dass das Modell die einfache Zinsformel auf 2000 Jahre anwendet. So entsteht der Eindruck einer Kontinuität für diese Zeit, die aber nichts mit der Realität zu tun hat. Dort würde dieser Pfennig heute gar nicht mehr existieren, weil er der einen oder anderen Währungsreform zum Opfer gefallen wäre. So würden die Nachfahren den Pfennig und seine Zinsen vergeblich suchen.

Selbst wenn es die Währung heute noch geben würde, kommt auch der Josephpfennig nicht um die Inflation herum. Sie entsteht vor allem durch wirtschaftliches Wachstum und kann nur minimiert aber nicht komplett vermieden werden. Marktteilnehmer werden, wenn möglich die Preise anheben und andere werden dafür mehr Geld benötigen. Dazu kommen außergewöhnliche, meist politische Ereignisse, die die Inflation in die Höhe schnellen lassen, z.B. die Hyperinflation von 1923 in Deutschland. So wäre es am Ende eine lange Zahl, aber eben nur das. Der Wert wäre wesentlich niedriger.

Doch das ist nur eine Seite dieser Legende. Die andere Seite ist, wie überhaupt dieser Zins entsteht. Hört man den meisten ZinskritikerInnen zu, behaupten sie, dass der Zins aus dem luftleeren Raum stammt. Er sei Einkommen ohne Arbeit, wie es u.a. heißt. Doch dem ist nicht so. Denn die Einlagen der Sparer dient der Bank Kredit an Personen und Unternehmen zu vergeben, während der Sparer darauf verzichtet dieses Geld in diesem Moment für sich zu benutzen.

Kredite sind für alle Unternehmen einer Volkswirtschaft wichtig. Ohne sie könnten sie keine Investitionen tätigen, keine Waren auf den Markt bringen und auch keine Mitarbeiter beschäftigen. Der Josephpfennig hätte im Modell im lauf der Jahrhunderte der Bank ermöglicht vielen Unternehmen  aber auch Privatleuten Geld zu leihen, die damit Waren zu produzieren, Mitarbeiter zu bezahlen, Investitionen zu tätigen, Waren einkaufen, mehr Mitarbeiter zu bezahlen. Würde also ein Zins nicht existieren, würde ein Unternehmer sich kein Geld leihen, keine Investitionen durchführen, keine Mitarbeiter bezahlen und an niemanden ein Produkt verkaufen können. Ein Zusammenbruch der Wirtschaft wäre die Folge.

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Erklärt: Die große norwegische Butterkrise

Während Verschwörungstheoretiker die norwegische Butterkrise schon als Zeichen für die unmittelbar bevorstehende Endzeit (oder so) sehen, gibt es, wie immer, auch für den Grundnahrungsmittel-Mangel in einem der reichsten Länder der Welt, ganz einfache Erklärungen . Die Butter ist knapp, weil die Norweger egoistische Käufer sind, oder, anders ausgedrückt: Ein gewisser Mangel an Butter führte dazu, dass die norwegischen Konsumenten verstärkt auf Butterjagd gingen. Continue reading

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Lesen anfachen mit dem Kindle

(Achtung: Dieser Artikel beschäftigt sich grösstenteils nur mit dem neuen Kindle ohne feste Tastatur)

Kindle Front mit MenüSo, oder ähnlich müssen sich das die Marketingjungs von Amazon gedacht haben, als sie ihren E-Reader Kindle nannten. Und vermutlich haben sie sich bei “Kindle Fire” halb tot gelacht und sich viele High-Fives dafür gegeben. Wer ganz hässlichen Humor hat, kann jetzt auch versuchen Witze über Bücherverbrennungen zu machen, aber das ist sehr pfui. Lieber so Witze wie “den Kindle im Bad ausschütten”

Aber egal, wenn wir über Markennamen lästern wollten, dann kämen wir ja zu gar keinem Ende mehr.
Wir wollen ja über den Kindle als Gerät reden. Die Zweifel sind vermutlich bekannt. Da wäre die fehlende Haptik, das Fehlen von völlig neuen Büchern, bei denen teilweise die Seiten noch an den Kanten aneinander kleben, die leichten Druckerschwärzeflecken die man bekommt. Das Erkennungsmerkmal der Buchrücken bei broschierten Büchern, die leichten Brüche, die sich im Rücken bilden. Nicht zu vergessen die Knicke in den Seiten, wenn einem etwas auf das offene Buch fällt, und die Eselsohren die manche Leute wirklich an Stelle eines Lesezeichens verwenden. Die angekauten Ecken bei Lesern, die Katzen haben. Die Fettflecken, wenn man nebenbei etwas isst…

Diese Merkmale fallen beim Kindle alle weg. In manchen Fällen ist das sogar schade. Aber was an dem Kindle ist jetzt eigentlich gut?
Nun, da wäre zum Einen das Gewicht, man trägt da ca. 300 Gramm (je nach Hülle) mit sich herum, und diese 300 Gramm enthalten ein paar hundert Bücher. Zum Anderen die enorm gute Akkuleistung. Dank der E-Ink Technologie hält der Akku wirklich lange, und lädt sich binnen kürzester Zeit voll auf. Zusätzlich zum Gewicht spricht auch die Grösse für die Gerätchen, je nach gewählter Hülle (auf die Hüllen kommen wir noch zu sprechen) nehmen sie knapp 18cm Höhe und nicht ganz 13cm Breite Platz in der Tasche weg. Die Mutigen können sich den hüllenlosen Kindle übrigens auch in die Gesässtasche einer Jeans stecken. Ratsam ist das jedoch nicht.

Und das Lesen selbst? Bei den in Deutschland erhältlichen Kindles, also der Kindle Keyboard mit Tastatur und der ohne Tastatur setzen ja auf E-Ink Technik. Also passive Displays ohne Eigenlicht. Das spart Strom, ist angenehm fürs Auge, weil es wirklich Lesen auf dem Papier simuliert und ermöglicht sehr, sehr dünne Displays. Die Hintergrundfarbe beim Kindle ist ein sehr helles Grau, also kein reines Weiss, wie bei manchen Büchern, was im direkten Sonnenlicht manchmal eher lästig ist.

Zubehör? Ja, die Hüllen, endlich kommen wir auf die Hüllen zu sprechen. Diese gibt es in vielen Ausführungen, die Grundform ist meist gleich, das Gerät wird an vier Ecken fixiert, die Hüllen sind von der Bauweise so, dass sie ebenfalls für Linkshänder angenehm benutzbar sind. Der Deckel der Hülle simuliert bei Benutzung mehr Buchgefühl, das Gerät sitzt fest und sicher, und alle Bedienelemente sowie der USB Steckplatz sind gut zu erreichen. Es gibt Hüllen, die von Optik und Haptik an Lederbücher angelehnt sind, und es gibt schlichte Varianten und es gibt quietschebunte Hüllen. Wer mag, legt sich eine Hülle mit integrierter ausklappbarer LED-Lampe zu, die von der Bauweise her genau das Display ausleuchtet und ist damit dann nicht mehr auf vernünftiges Leselicht im Zug, Auto, Flieger oder daheim angewiesen.

Die Schrift steht als Werkeinstellung auf Caecilia, deren Serifen sind nicht ganz so schnörkselig wie bei einer Times, und sind auch bei grösserer Schrifteinstellung noch angenehm kontrastierend, und in klein nicht zu verwaschen. Und im Druck ist man Serifenschrift ja auch eher gewohnt. Je nach Lesegewohnheit und Augenbelastung kann man sich die Schrift eben grösser oder kleiner stellen, die Zeilenabstände zwischen “klein”, “mittel” und “gross” einstellen und die Menge der Worte pro Zeile einstellen. Die Schrift selber kann man von der Werkseinstellung noch auf “condensed” (kürzere Laufweite, also weniger Abstand zwischen den Buchstaben eines Wortes) und auf völlig serifenlose Schrift stellen. In Sachen Typografie ist der Kindle also nichts für Liebhaber (aber die haben heutzutage auch bei vielen Büchern keine Freude mehr).
Die Werkseinstellungen reichen bei ordentlichem Licht und gesunden Augen bzw. Lesebrille für ein angehmes Lesegefühl völligst aus.

Die Benutzerführung ist ansonsten sehr intuitiv, dank des Designs ist der Kindle sowohl für Rechts- als auch Linkshänder sehr einfach zu bedienen, die Tasten zum Blättern sind jeweils rechts und links auf gleicher Höhe angebracht, die Vorwärts-Taste ist etwas grösser. In der Mitte befindet sich das Steuerelement, das mit den vier Richtungstasten und der Auswahltaste in der Mitte für viele Handybenutzer bekannt ist. Links und rechts daneben finden sich die Tasten für das Einblenden der Tastatur, eine Zurück-Taste, das Menü und eine “Home”-Taste.
Mit einer Hülle, stellt sich das normale Lesegefühl binnen weniger Tage ein, und man nutzt die Blätter-Tasten völlig intuitiv.

Kindle mit Hülle für RechtshänderNoch ein paar langweilige, aber wichtige technische Daten: Der Kindle fasst etwa 1.25GB Daten, laut offizieller Angabe, entspricht das bis zu 1.400 Büchern. Als Leser ist man jedoch keinesfalls auf die ca. 1.400 Bücher begrenzt, dank der Amazon Cloud werden alle erworbenen Bücher gespeichert und man kann vom eigentlichen Gerät Bücher entfernen und jederzeit wieder herunterladen. Der Kindle ohne Keyboard kommt nur mit einer WiFi Schnittstelle, das heisst ohne verfügbares WLan oder Rechner mit Internetanschluss und USB Kabel, lässt sich der Kindle nicht effektiv nutzen.

Amazon gibt an, derzeit über 950.000 Bücher als E-Books (in deutsch und weiteren europäischen Sprachen) zu haben, zusätzlich lassen sich auf dem Gerät auch PDFs ansehen.

Was ist schlecht am Kindle?
Bücher lassen sich nicht eben mal tauschen. Nehmen wir an im Haushalt X leben zwei Personen, beide besitzen einen Kindle und einen eigenen Amazon Account. Leider ist es Person A nicht möglich, das Buch Person B auf deren Account zur Verfügung zu stellen. Dies liegt jedoch nicht nur an Amazon, in den USA sind bereits einige Verlage dazu übergangen auch eine Verleih-Option auf der Amazon-Oberfläche anzubieten, man kann hoffen dass dies auch bald in Deutschland möglich ist.
DRM geschützes Format. Das ist immer schlecht, egal ob von Sony, Amazon, Apple, egal ob Musik, Video, Spiel oder Buch. Das ist einfach so.

Für wen ist der Kindle eine ernstzunehmende Option?
Für Leute, die bisher schon viel über Amazon gekauft haben, einen Account haben und mindestens zuhause ein WLan zur Verfügung haben.
Für Leute, die viel lesen und ab und zu mit Grauen an den nächsten anstehenden Umzug denken.
Für jene, die gerne ein Buch dabei haben wenn sie unterwegs sind, und feststellen, dass der neueste Band von George R.R. Martin in der Taschenbuchausgabe stolze 976 Seiten fasst und es in der Tasche langsam eng wird.

Wer sollte keinen Kindle haben?
Alle, die Amazon als die linke oder die rechte Hand des Teufels ansehen. Vom DRM-Format azw wird Kindle auch in naher Zukunft nicht abrücken. Leute, die mehr Formate auf ihrem E-Reader lesen wollen, ohne sich Konvertierungen von z.B dem offenen EPUB Format in PDF oder Mobipocket Book Format zumuten zu wollen. Und jene, die eine Hintergrundbeleuchtung für ihren E-Reader haben wollen, oder auf die Touch Option eines Displays nicht verzichten wollen.
Plus, natürlich: Leute ohne Internet.

Wer sollte welchen Kindle haben?
Wer eher auf Sachbücher setzt, und bisher gerne Notizen in Form von Postits, Randgekritzel und Textmarker gemacht hat, der sollte eher den Kindle Keyboard in Erwägung ziehen, zum Schreiben längerer Texte ist die On-Screen Tastatur nämlich sehr unhandlich.
Wer ständig unterwegs ist und den vollen Umfang nutzen will, sollte sich ebenfalls eher mit dem Kindle Keyboard anfreunden, den gibt es in einer Ausführung mit 3G Schnittstelle.
Wer unbedingt einen Touch-Screen will, der sollte warten ob Amazon hier auch den Kindle Fire auf den Markt bringen wird.
Wer den Kindle in erster Linie nur zum Lesen nutzt, der ist mit dem 99 Euro Modell ohne Keyboard gut bedient.

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++ Piraten BPT112 Tag 2 Ticker +++

17:38 Uhr Das war der BPT112 aus Offenbings. Kthxbai!

17:36 Uhr 100 GB Traffic am Tag verbraucht. <3 17:34 Uhr Und Abspann.

17:26 Uhr Nerz redet im Zusammenhang mit Arbeit immer von “ihr”. Props für so viel Ehrlichkeit!

17:25 Uhr Nerz findet es super, dass Piraten sich zu Rechtsextremismus so klar positioniert haben.

17:23 Uhr Herr Nerz kommt für eine Abschlussrede auf die Bühne.

17:10 Uhr Die urheberrechtskritische Tickeria fragt sich, warum sich diese Partei Piraten nennt. #metadings

17:00 Uhr Ein weiterer Kandidat für den “Dümmster Tweet des #BPT211”-Award https://twitter.com/#!/Almas23/status/143280216159170561
Sollten wir mal was gegen Linksradikale in die Satzung schreiben ? #bpt112 #piraten #nursoausPrinzip

16.55 Uhr Andi Popp, ihres Zeichens männliche Piratin, erklärt geschichtliches zum Thema Urheberrecht.

16.52 Uhr Endlich gescheite Themen: Ein Antrag zum Urheberrecht.

16:51 Uhr Wissen diejenigen, die angenommene Anträge frenetisch bejubeln, eigentlich, dass der ganze Kram morgen nicht automatisch eingeführt wird?

16.50 Uhr Ein Kombiantrag wurde angenommen.

16.45 Uhr Piratig bzw. unpiratig sind auch 2011 noch Scheißwörter.

16:42 Uhr Nach drei Rednern in bräunlicher sweatshirtartiger Herrenoberbekleidung (und einem in lilabrauner): Lass doch mal wieder wer den Eberhart und sein hellblaues Pullöverchen ans Mikro

16.35 Uhr Eberhart for everything!

16:34 Uhr Eberhart erklärt nochmal was zu seinem Positionspapier.

16.29 Uhr Eine neue Folge von “Alle wollen mal was sagen.”

16:23 Uhr Piratencouture 1 – Hellblaues Schlafanzugoberteil zu rehbräunlicher Cordhose

16:24 Uhr Hier hat jemand meinen Beitrag über Eberhart überschrieben.

16.18 Uhr Es wurde etwas, Trommelwirbel, abgelehnt.

16:05 Uhr Ein weiterer Pirat kritisiert Aufforderungen zum Fresse halten.

16:04 Uhr Ein dritter Pirat ruft zum Fresse halten auf.

16:03 Uhr Ein weiterer Pirat wünscht sich eine piratige EU und rät an, wenn man keine Ahnung habe, einfach mal die Fresse zu halten.

16:02 Uhr Ein Pirat wünscht sich eine piratige EU.

15.59 Uhr Endlich mal ein Vorschlag gegen die Kälte des Winters! Könnten sich die #ESM Befürworter bitte alle anzünden? Danke! #bpt112

15.45 Uhr Geschwafel. Geschwafel. Geschwafel.

15.22 Uhr Heute für die parallel-gesellschaft wieder incognito vor Ort ist Katharina Katz, es folgt ein kurzes Interview: Katharina, wie ist die Stimmung? Meow! Wurden illegal geschummelte Mateflaschen beschlagnahmt? Meooooww! Es wird ja viel geredet, wie steht es um die Verpflegung? Meeow! Wird es heute noch zu Saalschlachten kommen, oder bleibt die Stimmung friedlich? Meooooow! Danke, Katharina.

15.15 Uhr “Ein Schlag ins Gesicht der Demokratie.” Dürfen wir nachtreten?

15.13 Uhr Irgendwas mit alternativer Nationalismus für Europa.

15.08 Uhr Die Piraten haben die Passage aus dem Kommenden Aufstand, die forderte “das Palaver zu verallgemeinern”, anscheinend wörtlich genommen. Leider haben sie offensichtlich den Aufstand vergessen und wollen lieber einen Staat machen.

14.53 Uhr Ein Kiffer, viele Meinungen und verlorene Fäden später, haben die Piraten beide Anträge, die was mit Drogen zu tun haben angenommen. Die parallel-gesellschaft öffnet hiermit eine Flasche Wein, um zu signalisieren, dass wir einverstanden sind.

14.23 Uhr Drogen schön und gut. Aber können wir jetzt endlich welche nehmen?

14.04 Uhr Jetzt geht es wirklich, und nicht nur metaphorisch, um Drogen. Die wollen mich doch verleiten zu trinken.

13.55 Uhr Am Mikrophon liegt ein riesiger Haufen gebrochener Lanzen.

13.36 Uhr So langsam formiert sich auf Twitter wieder eine leicht Ablehnung gegenüber der Redeleitung. Ob es heute noch zu einer konformistischsten Revolte kommt?

13.31 Uhr Eberhart ist noch da. Für uns klarer Gewinner des Parteitags. Aus Gründen.

13.29 Uhr Wir wissen nicht mehr so genau, warum da jetzt geredet wird, es geht allerdings nicht um Alkohol.

13.19 Uhr Die Piraten machen das, was sie am Besten können: Schlange stehen für auch mal was sagen.

13.09 Uhr Jetzt geht um das Verhältnis von Staat und Opium Religion.

13.03 Uhr Aus einer anonymen Quelle wurde uns gerade diese Parteikatze zugespielt:

12.52 Uhr Antifaschismus heißt bei den Piraten anscheinend Antiextremismus.

12.42 Uhr Ein Pirat deckt auf: Die Piraten halten sich nicht an ihr eigenes Parteiprogramm. Wurde schon ein GO-Antrag diesbezüglich gestellt?

12.36 Uhr  Die Piraten sorgen für “Recht & Ordnung in Hessen”. Und für Blutspritzer auf meinem Schreibtisch.

12.34 Uhr Comedy ist auch bei der Piratenpartei nicht lustiger als in Restdeutschland.

10:00 Uhr Obligatorischer Katzencontent:

kitty pirate

Liveticker zum Bundesparteitag der Piratenpartei in Offenbings Tag 2.

10:01 Uhr Herzlich willkommen zu einem weiteren aufregenden Topevent der Megaklasse – heute erwarten Sie, geschätzte Lesenkönnende, unter anderem rhetorische Feuerwerke, wunderschöne Bilder und tollkühne Mateschmuggelaktionen. Aber zunächst zur wichtigsten Frage des noch jungen Morgens: Wer kommt diesmal für vorsätzlich verschmutzte Hotelzimmer auf?

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